Film-Kritik: Wächter der Nacht: Fantasy auf Russisch

Film-Kritik : Wächter der Nacht: Fantasy auf Russisch

Lange gab es keinen russischen Kino-Kracher mehr zu sehen, doch die "Wächter der Nacht" können sich sehen lassen: Im eigenen Land ließ er die Hollywoodstreifen konkurrenzlos hinter sich und überzeugte das Publikum mit Tempo, Ideen und Spannung, die kaum zum Aushalten ist.

Der am 29. September in die Kinos kommende Film beginnt mit einem mittelalterlichen Gemetzel auf einer Brücke. Dort sollen vor über 1.000 Jahren die von Lord Geser angeführten Hüter des Lichts mit den von Lord Zavulon angeführten Kriegern der Finsternis zusammengestoßen sein. Der opferreiche, erbarmungslos geführte Kampf fand jedoch keinen Sieger. Schließlich einigen sich beide Seiten erschöpft darauf, in Zukunft nie mehr Gutes oder Böses ohne das Einverständnis der anderen Seite zu tun. Und daran halten sie sich fortan auch. Doch gibt es eine düstere Weissagung: Eines Tages soll einer kommen, der die Macht hat, das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse zu kippen.

Nun spielt sich die oft schwer zu durchschauende Handlung erst im Moskau des Jahres 1992, dann des Jahres 2005 ab. Hauptperson ist Anton Gorodetsky. Der will eine alte Hexe dazu bringen, die Schwangerschaft seiner Frau Irina zu beenden. Denn Anton weiß, dass das Ungeborene nicht von ihm, sondern Irinas Liebhaber stammt. Die böse Absicht eines eifersüchtigen Mannes löst dramatische Ereignisse aus. Denn Anton verfügt über außergewöhnliche Fähigkeiten: Er vermag die Wächter der Macht, die die Abtreibung der Hexe verhindern, zu sehen, was normalen Sterblichen nicht möglich ist. So findet er seinen Weg zu den Hütern des Lichts.

Eine ganz spezielle russische Färbung

Ist das schon alles starker Tobak, so legt Regisseur und Autor Timur Bekmambetow nun erst richtig los. Und er macht das visuell so packend, mittels so hektisch-origineller szenischer Montagen, dass der Betrachter der zunehmend undurchsichtigen Handlung gar nicht mehr großes Gewicht beimisst, sondern sich von der Flut der Bilder überwältigen lässt. Bei allen Anleihen aus Hollywood-Produktionen, die "Wächter der Nacht" nicht verleugnen kann, ist es doch ein ein sehr russischer Film, dem Mystik, Fatalismus und das Sittenbild der aus den Fugen geratenen postkommunistischen Gesellschaft eine ganz spezielle Färbung geben.

Das macht den Reiz des Films aus, der sicher viele Anspielungen und Verweise aus dem gegenwärtigen Leben in Moskau enthält, die sich dem westlichen Zuschauer nicht oder nur schwer erschließen. Bekmambetow hat sich einen Namen als Werbefilmer gemacht, das verrät die Ästhetik seines Geniestreichs manchmal schon fast zu aufdringlich. Doch auch die grüblerische Düsternis der Filme seines großen Landsmanns Andrej Tarkowskij ist in "Wächter der Nacht" jederzeit präsent.

Es ist diese östlich-westliche Mischung, die fasziniert. Dem Kinostreifen liegt übrigens eine TV-Miniserie zu Grunde, die nach dem großen Erfolg von einem US-Studio mit russischen Darstellern und in russischer Sprache fortgesetzt werden soll. In seiner Heimat ist Konstantin Khabensky, den in der Hauptrolle als Anton Gorodetsky zu sehen ist, bereits ein Star. Wenn "Wächter der Nacht" beim westlichen Publikum Gefallen findet, wird Khabensky bald auch auf den Leinwänden in einer Fortsetzung zu sehen sein. Denn das werden die Russen von Hollywood gelernt haben: Was so erfolgreich ist, muss noch mindestens eine weitere Runde drehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wächter der Nacht

(ap)