Drama "Distanz" mit Ken Duken und Franziska Weisz: Verstörender Thriller über einen Killer im Botanischen Garten

Drama "Distanz" mit Ken Duken und Franziska Weisz : Verstörender Thriller über einen Killer im Botanischen Garten

(RP). Dieser Film geht auf den Körper, die Spannung drückt einem fast den Atem ab. Nur knapp 80 Minuten lang ist "Distanz", der minimalistische Thriller des 34-jährigen Kölner Regisseurs Thomas Sieben. Und am Ende ist man erschöpft wie nach einem Kampf.

(RP). Dieser Film geht auf den Körper, die Spannung drückt einem fast den Atem ab. Nur knapp 80 Minuten lang ist "Distanz", der minimalistische Thriller des 34-jährigen Kölner Regisseurs Thomas Sieben. Und am Ende ist man erschöpft wie nach einem Kampf.

Der Zuschauer begegnet Daniel Bauer (Ken Duken), Angestellter im Botanischen Garten in Berlin. Er hat eine karg möblierte Wohnung. Mehr erfährt man nicht über die Lebensverhältnisse und die Biografie des Mannes. Mit ausdruckslosem Gesicht geht er durchs Leben, und abends schießt er Joggern und Spaziergängern mit einem Jagdgewehr in den Kopf. Er tut das beiläufig. Ob es ihm Lust macht oder sein Gewissen belastet, ist unklar. Bauers Kollegin Jana (Franziska Weisz) verliebt sich in den eigenartigen, kühlen Gärtner. Er mag erst nicht, doch sie insistiert, also geht er darauf ein. Als die Polizei vor der Tür steht, schützt Jana ihren Freund — unter der Bedingung, er möge nun aufhören mit dem Töten.

Natürlich bleibt das ein Wunsch, alles wird unfassbar hart, und dieser Entwicklung zuzusehen, ist eine irritierende Erfahrung. Der Film psychologisiert nicht, er fragt nicht nach dem Warum und bleibt in der Schwebe. Also irrt der Zuschauer in der eigenen Beklommenheit herum, ihn rührt, wie Daniel Bauer das Bad für den Besuch der Freundin sauber macht. Und ihn verstört das Gerührtsein sogleich.

Eine extreme Produktion, präzise inszeniert, eindringlich gespielt. Ihre moralische Unentschiedenheit dürfte indes zum Widerspruch reizen. Ein wichtiger Film.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

(RP)