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Kino-Kritik: Unbekannter Anrufer: Babysitter leben gefährlich

Kino-Kritik : Unbekannter Anrufer: Babysitter leben gefährlich

Was tut man wenn man jung und hübsch ist und dringend Geld braucht? Nein, nicht das, was man jetzt denken könnte. Eher Babysitten zum Beispiel. Da gibt es etwas Knete für meist recht wenig Arbeit. Manchmal allerdings wird der vemeintlich leichte Job zum mörderischen Unterfangen. Aber nicht, weil die Kids sich als kleine Monster entpuppen, sondern weil ein anonymer Anrufer beschlossen hat, den Babysitter zu terrorisieren.

Jill ist sehr hübsch, intelligent und an der High-School in einem Provinzstädtchen des US-Bundesstaates Colorado entsprechend beliebt. Ab und zu verdient sie sich Geld als Babysitterin. Das tut sie auch an dem Abend, den sie ihr ganzes Leben lang nicht vergessen wird. Doch das ahnt sie noch nicht, als ihr Vater sie zu einem abgelegenen Haus am See bringt. Dort wohnt ein elegantes Arzt-Ehepaar, das Jill seine beiden Kinder für den Abend anvertraut. Die Kinder schlafen bereits, viel Arbeit wartet also nicht.

Jill schaut sich nach der Abfahrt der Eltern staunend in dem luxuriös eingerichteten, mit allem Komfort versehenen Haus um. Sowas hat die keineswegs aus ärmlichen Verhältnissen stammende Schülerin noch nicht gesehen. Nur zu bald jedoch wird ihre Aufmerksamkeit von einem anonymen Anrufer beansprucht. Der sagt nichts, sondern atmet nur, das aber auf eine unheimlich bedrohliche Weise. Jill ist irritiert, dann ruft ihre Freundin Tiffany an, die sich an Jills Freund Bobby herangemacht hatte. Die beiden jungen Frauen haben etwas zu bereden, Tiffany fährt deswegen sogar zu dem Haus, das von einer raffinierten Alarmanlage geschützt ist.

Doch die Aussprache zu später Stunde wird für Tiffany ein fatales Nachspiel haben, auf Jill sowie ihre noch arglos schlafenden Schützlinge wartet ein Kampf ums nackte Überleben. Wie der ausgeht, zeigt der amerikanische Psychothriller "Unbekannter Anrufer", der am 15. Juni die Nerven der deutschen Kinobesucher mindestens so beanspruchen wird wie ein spannendes Spiel der gleichzeitig laufenden Fußball-Weltmeisterschaft.

Wer meint, der Geschichte des Films schon einmal begegnet zu sein, liegt nicht falsch: "Unbekannter Anrufer" basiert auf dem 1979 produzierten Kult-Schocker "When a Stranger Calls", der hier zu Lande unter dem reißerischen Titel "Das Grauen kommt um Zehn" gezeigt wurde.

"Schrecken liegt in dem, was man nicht sieht"

Inszeniert hat den aktuellen Film der aus England stammende Simon West nach dem Drehbuch von Horror-Spezialist Jake Wade Wall. Produzent John Davis will die Neuauflage des Stoffes weniger als Remake eines Kinoerfolgs, sondern vielmehr als dessen "Wiederbelebung" verstanden wissen: "Wir waren uns einig, dass unser Film mehr Psychothriller sein sollte als das Original. Der Schrecken liegt in dem, was man nicht sieht, statt in dem, was man sieht." Diese Betrachtungsweise löst "Unbekannter Anrufer" bereits in der ersten Szene ein. Sie zeigt den Tatort eines Verbrechens, dessen Grausamkeit sich nur in den fassungslosen Reaktionen eigentlich hartgesottener Polizisten erkennen lässt.

Auch in der weiteren Filmhandlung sind es nicht Blutbäder oder stumpfsinnige Brutalitäten, die den Betrachter im Kinosessel in Angst und Schrecken versetzen. Diese Reaktionen erzwingt vielmehr das lauernde, nicht zu greifende Unheil, das über der jungen Heldin schwebt und sie zu verschlingen droht. "Unbekannter Anrufer" ist kein besonders origineller, aber ein nervenzehrender Thriller, der den Besuch lohnt. Nur so wird man ja auch erfahren können, ob sich Jill retten kann und wer sie und die Kinder in solche Gefahr bringt. Doch Vorsicht: Nach diesem Film könnte das eine oder andere WM-Spiel schon etwas langweiliger wirken!

(ap)