Mit Colin Farrell und Kate Beckinsale: "Total Recall" geht in die zweite Runde

Mit Colin Farrell und Kate Beckinsale : "Total Recall" geht in die zweite Runde

Hollywood hat Paul Verhoevens Science-Fiction-Klassiker aus dem Jahr 1990 modernisiert. Damals spielte Arnold Schwarzenegger einen Mann, dessen Bewusstsein manipuliert wurde. Die Hauptrolle im neuen Film übernimmt Colin Farrell. Das Original bleibt indes unerreicht.

Arnold Schwarzenegger sprach in seinen Filmen eher wenig, aber wenn er etwas sagte, dann brachte er es auf den Punkt: "Wenn ich nicht ich bin, dürfte ich dann erfahren, wer ich bin?".

Das Zitat stammt aus Paul Verhoevens Produktion "Total Recall" (dt. Titel "Die totale Erinnerung"), in der Schwarzenegger 1990 den Bauarbeiter Douglas Quaid spielte, der sich in einer nicht allzu fernen Zukunft eigentlich nur ein paar Urlaubserinnerungen ins Gehirn einpflanzen lassen wollte und sich schließlich als Geheimagent auf dem Mars wiederfand.

"Total Recall" war damals mit einem weltweiten Einspielergebnis von 260 Millionen Dollar ein enormer Kassenerfolg und entwickelte über die Jahre Kult-Potenzial. Die Story des Films basiert auf der Kurzgeschichte "Erinnerungen en gros" von Philip K. Dick (1928-82), von dessen umfangreichem Werk weitere Filme wie Ridley Scotts "Blade Runner" (1982), Steven Spielbergs "Minority Report" (2002), John Woos "Paycheck" (2003), Lee Tamahoris "Next" (2007) und zuletzt George Nolfis "Der Plan" (2011) inspiririert wurden.

Farrell ist eine gute Wahl

Nun hat sich Regisseur Len Wiseman ("Underworld") an ein Remake von "Total Recall" gemacht, und er tritt den Beweis an, dass sich Dicks Verwirrspiel über wahre und gefälschte Identität immer noch gegenwärtig anfühlt. Zwei grundlegende Veränderungen nimmt Wiseman gegenüber dem Originalfilm vor: Zum einen bleibt die Geschichte auf der Erde und reist nicht zum Mars. Zum anderen engagiert er einen richtigen Schauspieler für die Hauptrolle, muss gar nicht erst versuchen, als Schwarzenegger-Kopie aufzutreten.

Colin Farrell spielt nun den Fabrikarbeiter Quaid, der nachts von Verfolgungsfantasien geplagt wird und sich am Tage hinwegsehnt aus dem ereignisarmen Proletarierleben.

Die Welt ist nach einem biologischen Krieg zu weiten Teilen zerstört. Nur noch die wohlhabende "Vereinigte Föderation Britanniens" und die verarmte und überbevölkerte "Kolonie" sind bewohnbar und mit einem gigantischen Aufzug durch den Erdball hindurch miteinander verbunden.

Urlaub von postapokalyptischer Tristesse bietet das Unternehmen "Rekall" an, indem es die Wunschfantasien seiner Kunden als Erinnerung in deren Gehirn implantiert. Quaid bucht eine Reise als Geheimagent, aber die Manipulation des Bewusstseins geht gründlich schief, weil der Kunde, ohne es zu wissen, vor ein paar Jahren tatsächlich im Spionagegewerbe tätig war.

Plötzlich hat Quaid eine Reihe von hereinstürmenden Gegnern erlegt. Als er nach Hause flüchtet, muss er indes feststellen, dass auch seine Ehefrau Lori (Kate Beckinsale) für die regierungsamtlichen Finstermänner arbeitet und ihm unverhofft als versierte Kampfsportlerin entgegentritt.

Oberflächliches Spiel mit der Wirklichkeit

Auf der Flucht rekonstruiert sich für Quaid langsam seine eigentliche Identität als Agent, der zu den Rebellen übergelaufen ist, die für eine Unabhängigkeit der Kolonie von Britannien kämpfen. In Schlüsselszenen und einigen hübsch eingebetteten Nebenzitaten bietet Wisemans Remake genug Anknüpfungsmöglichkeiten an das Original und setzt auf der anderen Seite auf eine Modernisierung des Stoffes und einen deutlich beschleunigten Inszenierungsstil.

"Total Recall" wirkt wie ein gut gemachtes Videospiel, in dem der Protagonist nach bestandenen Kämpfen zur Belohnung Stück für Stück in die Geheimnisse seiner Identität eingeweiht wird. Die Selbstfindung wird hier mit viel Kraft, Schweiß und Blut erkauft. Allerdings hätte der Film die Identitätskrise seines Helden und das Spiel mit der Fragilität der Wirklichkeit durchaus weiter treiben können. Da ist das Publikum heute durch Genrefilme wie "Matrix" oder "Inception" an mehr Komplexität gewöhnt.

So kann "Total Recall" mit direkten Konkurrenten an der Weltkinokasse wie "The Dark Knight Rising"" nicht mithalten. Da fehlt dann doch deutlich der politisch-philosophische Unterbau, ohne den gutes, großes Mainstreamkino heute nicht mehr auskommt.

Bewertung: 2 von 5 Sternen

(RP/csr/sap)