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Kino-Kritik: The Sentinel - Wem kannst Du trauen?

Kino-Kritik : The Sentinel - Wem kannst Du trauen?

Der Präsident der USA wurde schon unzählige Male gerettet - buchstäblich in letzter Sekunde meist, weil das spannender ist. Allerdings nur in Thrillern, im Kino. Auch "The Sentinel" wartet mal wieder mit einem Mordkomplott gegen der mächtigsten Mann der Erde auf. Besonders fies ist diesmal, dass Secret-Service-Mitarbeiter Garisson (Michael Douglas) ihn retten will, doch der Verdacht sich gegen ihn richtet.

Die hochkarätig besetzte Hollywood-Produktion führt in die Welt der coolen Bodyguards mit ihren obligatorischen Ray-Ban-Sonnenbrillen (die Firma hat sich die auffällig häufige Leinwandpräsenz ihres Schriftzugs vermutlich einiges kosten lassen), die dem Kinobesucher schon aus Wolfgang Petersens "In the Line of Fire" mit Clint Eastwood vertraut ist. Auch Richard Kimble alias Harrison Ford ("Auf der Flucht") lässt grüßen.

Garrison fing sich, wie wir zu Beginn erfahren, vor 25 Jahren beim Attentat auf den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan eine Kugel. Auf seine alten Tage ist er nun für den Schutz der First Lady zuständig. Da diese von der wunderbaren und mit Laura Bush nun wirklich nicht zu vergleichenden Kim Basinger gespielt wird, verliebt er sich natürlich in sie und beginnt eine Affäre. Wem das zu konstruiert erscheint, sollte sich den Film gleich schenken, der nicht mit einer originellen Story glänzt und so manches hanebüchene Detail auftischt.

Latino-Star Longoria

Zweiter Hingucker neben Basinger ist Eva Longoria. Der Latino-Star aus der TV-Serie "Desperate Housewives" gibt in "The Sentinel" sein Debüt auf der großen Leinwand und ist mit der Rolle als frisch gebackene Secret-Service-Agentin schauspielerisch nicht überfordert. Sie läuft den ganzen Film über hinter ihrem Ausbilder David Breckenridge (Kiefer Sutherland) her, darf einen guten Eindruck machen und beim finalen Shoot-Out auch mal abdrücken. Ihre flache (Film-)Figur trennen Welten von Jodies Fosters ähnlich angelegtem FBI-Rookie in "Das Schweigen der Lämmer".

Sutherland konnte für seine Rolle als Secret-Service-Ermittler Breckenridge auf seine langjährige Jack-Bauer-Erfahrung aus der Kultserie "24" bauen, bei der es allerdings etwas actionreicher und spannender zugeht als in "The Sentinel". Regisseur Clark Johnson ("S.W.A.T. - Die Spezialeinheit") hat die ziemlich vorhersehbare Geschichte um einen Verräter im Secret Service routiniert, aber ohne große Höhepunkte inszeniert. Michael Douglas, der den Film mitproduziert hat, gibt auch mit nunmehr 62 Jahren noch eine dynamische Vorstellung.

"The Sentinel" - etwa: der Wächter - wird sicher auch in den deutschen Kinos sein Geld einspielen. Einen anderen Grund, als 108 Minuten Popcorn naschen zu wollen, gibt es für den Besuch dieses Filmes aber eigentlich nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: The Sentinel

(ap)