"The Cut" im Kino Fatih Akin erzählt vom Schicksal der Armenier

Düsseldorf · In "The Cut" wagt sich der türkischstämmige Regisseur an das heikle Thema der Vertreibung und Ermordung der Armenier. Von türkischen Ultranationalisten wird er deswegen bedroht. Ästhetisch überzeugt der Film nicht.

"The Cut": Fatih Akin erzählt vom Schicksal der Armenier
Foto: dpa, bsc

Es ist ein heikles Thema, das Fatih Akin da in seinem neuen Film angeht: Das Schicksal Hunderttausender Armenier ist nicht nur in Teilen der Türkei weiterhin ein Tabu. Auch Deutschland spricht nicht offiziell von einem Völkermord. Nun aber verschafft der in Hamburg lebende deutsch-türkische Regisseur Akin den vielen Opfern aus dem Osmanischen Reich eine große Öffentlichkeit- "The Cut" will episches Abenteuerdrama und Western zugleich sein. Türkische Ultranationalisten bedrohten Akin dafür, noch bevor es das Werk überhaupt zu sehen gab.

In den Mittelpunkt seiner fiktiven Geschichte stellt Akin den Schmied und Familienvater Nazaret. 1915 wird er mit anderen Männern des Ortes verschleppt und muss Zwangsarbeit an einer Straße leisten. Dann kommt es zu einem Massaker an den Armeniern, das Nazaret jedoch knapp und wie durch ein Wunder mit nur einem Messerstich am Hals überlebt. Seine Stimme verliert er zwar - ein einprägsames Symbol für die Sprachlosigkeit von Opfern von Gräueltaten. Doch als er Jahre später erfährt, dass seine Zwillingstöchter die Vertreibungen überlebt haben sollen, gewinnt er neuen Lebensmut.

Hungersnöte, Vergewaltigungen, Flüchtlingslager und Massensterben: Während der 41-jährige Akin in "The Cut" viele Facetten des Grauens streift, ist seinem Film anzumerken, wie wichtig dem Regisseur das Thema ist, wie viel Recherche er in die historischen Hintergründe gesteckt hat. Und doch wirkt "The Cut" in dieser Hinsicht eher wie eine allzu banal zusammengefasste Geschichtsstunde. Größere Zusammenhänge stellt Akin nicht her, stattdessen belässt er es bei den wichtigsten Grundlagen. Optisch hat "The Cut", mit dem Akin seine Trilogie um Liebe, Tod und Teufel beendet, dagegen mehr zu bieten: Der Filmemacher nutzt die Leinwand für Totalen, erfasst so die Ödnis der Wüste und das Ausmaß des Elends in Flüchtlingscamps. Dabei erinnert vieles an klassische Hollywood-Epen in Sepia-Bildern.

Und doch scheint es, als habe Akin seine eigentliche Geschichte bei all dem etwas aus den Augen verloren. Seinen Protagonisten Nazaret nämlich schickt er bei der Suche nach den Töchtern auf eine jahrelange Odyssee durch verschiedene Länder. Nazaret reist von der Türkei in den Libanon, nach Kuba und in die USA. Auch wenn er dabei immer wieder enttäuscht wird, verliert seine Leidensgeschichte mit immer mehr Stationen an Intimität, Intensität und Dramatik.

In seinen früheren Werken wie dem preisgekrönten "Gegen die Wand" oder "Soul Kitchen" konnte Akin immer wieder mit einer brodelnden Energie und einem Gespür für Tempo und Humor überzeugen. Mit dieser eigenen Handschrift gewann der Filmemacher weltweit Fans und Ansehen.

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Das half ihm sicher, jetzt internationale Stars zur Zusammenarbeit zu bewegen: Er wurde von Oscar-Preisträger Martin Scorsese beraten. Mardik Martin, der für Hollywood-Klassiker wie "Wie ein wilder Stier" die Drehbücher schrieb, feilte als Co-Autor an Akins Skript. Und der Franzose Tahar Rahim, der mit seiner starken Leistung in "Der Prophet" seinen Durchbruch feierte, übernahm die Hauptrolle des fast stummen Helden. Vielleicht hätte Akin den eigenen Stärken besser vertrauen sollen. So bleiben am Ende vor allem die Schwächen von "The Cut" in Erinnerung - trotz aller Ambitionen.

(RP)
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