Film-Kritik: Stealth - Unter dem Radar: Fliegender Flop

Film-Kritik : Stealth - Unter dem Radar: Fliegender Flop

Wenn der Weltfriede bedroht ist, müssen die Amerikaner her. Im Kriegsfilm "Stealth - Unter dem Radar", düsen sie - riesigen Fledermäusen gleich - in Tarnkappenbombern um den Globus. Die Bedrohung naht in Form eines unbemannten, computergesteuerten Stealth-Prototyps. Der allerdings spinnt reichlich und läuft Amok. Und wer kann ihn stoppen? Na?

Das tolle Computerhirn des „Extreme Deep Invader“ (EDI) schnappt nämlich schon nach einem simplen Blitzschlag über und beschert dem dreiköpfigen Babysitterteam von US-Elite-Piloten, die ihrem neuen Blech-Kumpel eigentlich fliegerische Manöver beibringen sollten, bedauerliche Kollateralschäden - ganz zu schweigen vom außeramerikanischen Rest der Welt. Und dennoch erweist sich EDIs künstliche Intelligenz als schlauestes Element dieses Spektakels, dessen ohrenbetäubende Dummheit die Erwartungen noch unterbietet.

Der Streifen, der von der US-Marine unterstützt wurde, sieht aus wie ein Werbeclip für eine Armee, die seit dem Irak-Krieg Rekrutierungsprobleme hat und nun die letzte Reserve aktivieren muss. Alles spielt in naher Zukunft, doch manche Dinge ändern sich nie: Da ist das Quoten-Team, natürlich bestehend aus weiß, schwarz, Frau. Nachdem Ben, der Platzhirsch der Spaßbrigade, per Stealth-Joystick ein Terroristennest gesprengt hat, spendiert das Militär Urlaub in exotischen Ländern: Kara mit der Superfigur geht baden, und Henry schleppt zierliche, mit XL-Brüsten ausgestattete Asiatinnen ab.

Sinnentleertes High-Tech-Getöse

Und selbst wenn er von Oscargewinner Jamie Foxx gespielt wird, beißt der schwarze Pilot nach alter Tradition als erster ins Gras und bekommt ein Erste-Klasse-Begräbnis. Nichts Neues auch an der Terroristenfront, bestehend aus schlitzäugigen, fusselbärtigen und eigenartige Teewärmer auf dem Kopf tragenden Typen. Diese Unverbesserlichen kaufen, nein, klauen wie gehabt US-Atomwaffen, was EDI zum ersten Himmelfahrtskommando animiert: Pakistanische Bauern werden in den Himmel befördert und radioaktiv verseucht. Na ja, Computer machen halt Fehler - und wo gehobelt wird, fallen nun einmal Späne...

Zum Aufräumen bleibt dem hinterherjagenden Team keine Zeit, denn schon fliegt EDI zum nächsten Fettnäpfchen, nach Sibirien. Mit dem Stealth-Bomber rund um die Welt: Das ist auch für Actionfans nicht besonders lustig, weil das computeranimierte High-Tech-Getöse selbst wie ein Videospiel daherkommt. Die menschlichen Verwicklungen, wie etwa die auf kleiner Flamme köchelnde Anziehung zwischen Ben und Kara, sind ein so dürftiger Vorwand für Action, dass sie nicht nur wegen der hölzernen Dialoge wie eine Parodie daherkommen.

Womöglich hat sich Regisseur Rob Cohen für sein Verdummungskino von Stanley Kubricks Atomkriegsgroteske „Dr. Seltsam oder Wie ich die Bombe lieben lernte“ inspirieren lassen, allerdings mit miserablem Ergebnis. Denn dies ist der erste Film, bei dem man angesichts der Schneise der Verwüstung, die amerikanische Bomber hinterlassen, einen Stoßseufzer zum Himmel richtet: Wo, bitte, bleiben die Russen? Wer sich immer noch fragt, warum Hollywoods Umsätze dramatisch zurückgehen und was hiesige Kinos in die Krise treibt, der sollte sich „Stealth“ anschauen. Aber nur dann.

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(apbackup)