3D-Spektakel "Thor" in den Kinos: Späßchen mit dem Hammergott

3D-Spektakel "Thor" in den Kinos : Späßchen mit dem Hammergott

Düsseldorf (RPO). Wieder kommt einer der krawall-trächtigen Superhelden aus der Marvel-Comicschmiede auf die Leinwand. Diesmal trifft es Thor, den einsamen Hammergott aus der nordischen Mythologie. Der sonst durch Shakespeare-Verfilmungen bekannte Kenneth Brannagh hat Regie geführt. Ein Glücksfall. Wer hätte schon gedacht, dass ein Götter-Drama so viel Spaß machen kann?

Donnergott Thor ist zwar nicht der hellste Kopf in Asgard, besitzt aber Bärenkräfte. Als der arrogante Kraftprotz unüberlegt einen Krieg mit den altbösen Feinden des Götterreichs entfesselt, verbannt ihn sein Vater Odin auf die Erde. Sein tiefer Fall lässt ihn in der Wüste von New Mexico landen, wo er von der Wissenschaftlerin Jane und ihrem Team aufgegabelt wird. Doch noch bevor Jane dem Typ Manieren beibringen kann, muss Thor in dem am 28. April anlaufenden Fantasy-Spektakel schon wieder die Fäuste schwingen.

Und dann ist da ja noch sein magischer Hammer, den ihm Odin aus Asgard nachgeschmissen hat. Nicht nur die Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. interessiert sich für das Ding, das unverrückbar im Fels feststeckt, sondern auch Thors verräterischer Halbbruder Loki, der neuerdings ebenfalls auf Erden wandelt. Während Loki zwischen Götterhimmel und unserem Planeten seine Intrigen spinnt, versucht Thor vergeblich, seinen Hammer aus dem Stein zu ziehen. Wer die Legende von "König Arthur" und seinem Schwert Excalibur kennt, ahnt, wie diese Geschichte ausgeht. Auch sonst wird der Zuschauer intellektuell nicht überfordert.

Von Shakespeare zur Comic-Verfilmung

Wer also befürchtet hat, dass der im arthouse-Kino angesiedelte irische Regiestar Kenneth Branagh diese Comicverfilmung zu einem tiefsinnig-verkopften Drama umfunktioniert, sieht sich angenehm enttäuscht. Branagh, der mit pfiffigen Shakespeare-Filmen berühmt wurde, nimmt den Testosterondampfenden Comicheld Thor zwar ernst, lässt ihn aber verschmitzt mit den Realitäten der Erdlinge kollidieren. Mit leichter Hand verwurstet er nordische und keltische Mythologie sowie biblisches Erlösertum mit dem Klein-Klein des Alltags. Mit allerlei Monster-Zoff und unheilverkündendem Donnerwetter bekommen auch Actionfans einiges geboten.

So beamt das Epos zwischen dem dank des 150 Millionen Dollar-Budgets anschaulich möblierten Götterhimmel im All und dem staubigen Wüstenkaff auf der Erde hin- und her. Geht es oben mit dem ewigen Zwist zwischen dem goldenen Königreich Asgard und den grusligen "Eisriesen" noch mit dem gebotenen Pathos zur Sache, so wirkt der abgestürzte Thor unten mit seinen wikingerhaften Sauf- und Rauf-Verhalten ein wenig wie ein wirrer Penner. Wenn auch einer mit beeindruckendem Brustkorb: Der Hammer! Chris Hemsworth, der sich zuletzt in "Star Trek" im All herumtrieb, hat nicht nur Muckis, sondern auch stahlblaue Augen - ist also trotz filzigem Langhaar ein echter Schnuckel.

Muckis, Monster und Natalie Portmann

Natalie Portmann, die zuletzt in "Black Swan" als verrückte Ballerina einen Oscar einheimste, bringt als leicht verklemmte Forscherin, gut drei Köpfe kürzer als ihr intergalaktischer Beschützer, ihren Kleinmädchencharme zur Geltung. Hübsch besetzt ist auch ihr Team mit einer etwas snobistischen Assistentin und dem Schweden Stellan Skarsgard, der mit trockenem Humor Janes väterlichen Freund auftritt. Anthony Hopkins, stets für pompöse Kostümrollen zu haben, gibt Götterfürst Odin. Der noch unbekannte Tom Hiddleston, zuletzt in Branaghs "Wallander"-Krimis zu sehen, spielt den verschlagenen Loki als anämisch-spitzgesichtigen Intriganten.

Im schier unendlichen Figurenrepertoire der Marvel-Comics ist der altgermanische Nordmann Thor eine der exotischsten Helden. Branagh indes hält den Ball flach und balanciert die optischen Schauwerte und das unabdingbare Getöse mit feinem Witz und markanten Charakteren aus. Der 3D-Effekt kommt besonders in den rasanten Flügen der Himmelsstürmer durch das sternenübersäte All zu Geltung. Zwar kein Geniestrich, so ist Branaghs Ausflug ins Popcorn-Kino dennoch eine annehmbare Brücke zum nächstgrößeren Spektakel: dem Gipfeltreffen der Superhelden in "Avengers" im Mai 2012. Wer mehr wissen will, sollte bis zum Ende des Abspanns sitzen bleiben.

("Thor", Fantasy-Film, USA 2011, 115 Minuten, FSK: 12, Regie: Kenneth Branagh, Darsteller: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Tom Hiddleston, Stellan Skarsgård, Colm Feore u.a.)

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ausschnitte aus "Wasser für die Elefanten"

(apd/pst)
Mehr von RP ONLINE