"Der Name der Leute" im Kino: So macht man Komödien

"Der Name der Leute" im Kino : So macht man Komödien

Düsseldorf (RP). Man kann sich nur verneigen vor Michel Leclerc, dem Autor und Regisseur eines der lustigsten, wahrhaftigsten und welthaltigsten Filme, die in den vergangenen Jahren zu sehen waren. Seine Produktion heißt "Der Name der Leute", und wer sich für die Liebe interessiert und das Leben, der darf ihn nicht verpassen, und vor allem sollten alle deutschen Nachwuchsregisseure hinschauen: So geht eine politische Liebeskomödie, genau so.

Der Zuschauer begegnet zunächst Arthur Martin, einem Durchschnittsfranzosen, dessen Name in seiner Heimat so häufig vorkommt wie der Nachname Kim in der Fußball-Nationalmannschaft Südkoreas.

Der Endvierziger ist Experte für Vogelseuchen, er hat gerade gut zu tun, im Radio klärt er über die Vogelgrippe auf. Eine junge Frau unterbricht seinen Vortrag, sie echauffiert sich über die Panikmache, ein Faschist sei er, und damit wäre die zweite Hauptfigur eingeführt: Bahia Benmahmoud.

Beider Familiengeschichte wird nun in zwei komischen Rückblenden erzählt: die Verschleppung seiner jüdischen Großeltern ins KZ, die Flucht seiner Mutter, das Mathematikstudium der Eltern. Komisch? Ja: Im Hörsaal sieht man eine blutjunge Frau und einen steinalten Mann. Arthur: "Ich kann mir Papa einfach nicht jung vorstellen."

Bahia will die Welt verbessern

Bahias Vater hingegen ist Algerier, die Mutter Französin mit Hang zum Hippietum, und 1981 besorgt das Idol der Familie dem Papa französische Papiere: Francois Mitterand. 18 Jahre später gesteht Bahias Mutter, dass nicht Mitterand den Vater zum Franzosen machte, sondern der rechte Giscard d'Estaing. Ein Schock. Bahia will die Welt verbessern, auf ihre Weise, sie schläft mit Rechten, um deren Weltsicht durch Körperlichkeit zu verändern. Die Erfolgsquote ist hoch.

Das alles klingt natürlich völlig gaga, und das ist es auch, aber doch auf so hohem Niveau, wie man es selten erlebt. Bahia und Arthur verlieben sich heftig diskutierend ineinander, und als der frühere französische Premierminister Lionel Jospin leibhaftig in ihrem Wohnzimmer sitzt, fragt Arthur erschrocken: "Haben Sie miteinander...?" Jospin lacht und antwortet: "Nein, ich bin ja schon links", und dann ruft Arthur: "Was für ein toller Mann!"

Die Welt ist gut, wenn sich die Menschen mischen

Das geht nicht, dass eine Komödie die Themen Holocaust, Fremdenfeindlichkeit, H1N1, Missbrauch und die Zeitgeschichte aufarbeitet und dabei politisch korrekt unterhält, denkt man. Aber in "Der Name der Leute" gelingt es doch. Dass sich die Figuren jeder Zuschreibung entziehen, liegt an den fabelhaften Darstellern Sara Forestier und Jacques Gamblin. Sie flucht pausenlos vor sich hin, er steht gleichmütig da, und manchmal kann er es nicht fassen.

Regisseur Leclerc dürfte Woody Allen ebenso verehren wie Louis de Funès, und deshalb wird er nie rührselig. "Der Name der Leute" träufelt seine Essenz auf ein Stück Zucker. Die Welt ist gut, wenn sich die Menschen mischen. Das schluckt man gern.

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(RP)
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