Komödie "Und wenn wir alle zusammenziehen?": Sieg der Freundschaft über das Alter

Komödie "Und wenn wir alle zusammenziehen?" : Sieg der Freundschaft über das Alter

In der französischen Komödie "Und wenn wir alle zusammenziehen?" gründen fünf ältere Menschen eine WG, als sie mit den Beschwerlichkeiten des Alters zu ringen beginnen. Der Film ist heiter, ein wenig märchenhaft und vereint Stars wie Geraldine Chaplin, Jane Fonda und Pierre Richard.

Claude ist gestürzt. Nun hat ihn sein Sohn in ein Altenheim verfrachtet, wo er den ganzen Tag im Bett liegt. Das ist sicher — und gibt Claude das Gefühl, bald sterben zu müssen. Doch er hat gute, alte Freunde: den rebellischen Jean und dessen impulsive Frau Annie, die verführerische Jeanne und ihren an Demenz erkrankten Mann Albert. Als die Weggefährten Claude im Altenheim besuchen, öffnen sie eine Flasche Champagner, sitzen dann aber bedröppelt um das Bett, weil es eben Orte gibt, an denen nichts prickelt, keine Lebenslust aufkommt. Da reißt Jean den Koffer seines alten Freundes vom Schrank, die anderen setzen Claude in einen Rollstuhl und bringen ihn in ihr neues Reich: Sie haben eine Wohngemeinschaft gegründet, um sich gegenseitig beizustehen. Wann könnte sich Freundschaft besser bewähren als im Alter?

Das Kino entdeckt sein treuestes Publikum

Der Film hat sein treuestes Publikum entdeckt: Menschen jenseits der Fünfzig. Endlich beginnen Regisseure in unterschiedlichen Farben von den letzten Jahren des Lebens zu erzählen. Das Alter taucht nicht mehr nur am Rande oder als Problemfall auf, sondern ist die Folie für komische, tragische, rührende Geschichten. Schließlich stellen sich gegen Ende des Lebens viele Fragen radikaler, können Figuren aus Erfahrung schöpfen, weise Dinge sagen, ohne künstlich zu wirken. Und wenn dann Menschen gegen Ende eines reichen Lebens gemeinsam in eine verwunschene Villa ziehen, können da echte Charaktere aneinandergeraten und haben sich etwas zu erzählen.

Das nutzt die französische Komödie "Und wenn wir alle zusammen ziehen?" und schlägt dabei einen überraschend unbekümmerten Ton an. Es geht in diesem Film um Demenz, Impotenz, Herzschwäche und ums Sterben, doch dazu auch um Liebe, Eifersucht, Lebenslust, Sex. Die WG-Bewohner lassen sich einen Swimmingpool bauen, trinken im Garten guten Rotwein, kochen opulent. Das ist alles etwas märchenhaft. Geldsorgen hat diese Rentner-Bohème nicht, dafür einen jungen Pfleger, der schließlich sogar unters Dach zieht, um sich nonstop um alle Schwierigkeiten der älteren Bewohner zu kümmern.

Kein realistisches Drama

Doch diese Komödie ist eben auch kein realistisches Drama, wie sie deutsche Regisseure vorgelegt haben. Andreas Dresen etwa mit seiner großartigen Tragödie "Wolke 9" oder Sophie Heldmann mit ihrem Erstling "Satte Farben vor Schwarz" über ein älteres Paar, das sich für den Freitod entscheidet. Solche Filme sind wichtig. Doch es ist gut, dass auch in anderen Genres vom Alter erzählt wird. "Und wenn wir zusammenziehen?" versucht mit leichter Hand, eine Utopie zu entwerfen. Die Härten des Alters werden nicht verschwiegen, nicht veralbert, aber auch nicht zu schwer genommen. Regisseur Stéphane Robelin hat sich für heitere Gelassenheit entschieden und sich spürbar zum Ziel gesetzt, angenehm zu unterhalten. Also gibt es bissige Dialoge, aus alten Fotoalben purzeln Beweisstücke für amouröse Verwicklungen, und gespielt wird von einer Riege in die Jahre gekommener Stars, denen man mit Vergnügen zusieht. Denn sie sind eben nicht nur alt geworden, sie haben darüber ihren Humor, ihre Selbstironie, auch ihre Macken nicht verloren.

Besonders anrührend ist das Spiel von Pierre Richard, der mal der große Blonde war, jetzt mit grauen Locken und spöttischem Blick den liebevollen Ehemann gibt, dessen Gedächtnis von Alzheimer zersetzt wird. Richard spielt das, als staune er über sich selbst, was zugleich ein wenig komisch und herzzerreißend ist. Jane Fonda steht ihm zur Seite, eine selbstbewusste, im guten Sinne junggebliebene Frau. Mit dem Pfleger, den die WG bald engagiert, plaudert sie so freimütig über Sex, dass der rote Ohren bekommt. Wie platt könnten solche Szenen wirken, doch weil da eine alte Frau dem Jüngeren von ihren Erfahrungen berichtet, wirken diese Szenen gelassen, großzügig, liebenswürdig.

Auch Daniel Brühl ist dabei

Gespielt wird dieser Pfleger von Daniel Brühl, der seinen Part charmant zurückhaltend spielt. Im Film ist er ein Anthropologie-Student, der die Senioren-WG zum Thema seiner Abschlussarbeit macht und darum Tag und Nacht beobachtet. Das ist arg konstruiert wie manches Detail in diesem Film. Doch dann sieht man wieder wie Geraldine Chaplin Trimmrad fährt und mit ihrem Mann streitet und freut sich daran, dass hier Figuren nicht auftauchen, weil sie alt sind, sondern weil sie störrisch, launisch, interessant sind.

"Und wenn wir alle zusammenziehen?" ist keine meisterliche Komödie, aber ein Film über das Altwerden, der Spaß macht. Unabhängig vom Alter.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

(RP)
Mehr von RP ONLINE