1. Kultur
  2. Film
  3. Kinokritiken

Film-Kritik: Serenity - Flucht in neue Welten: B-Movie im All

Film-Kritik : Serenity - Flucht in neue Welten: B-Movie im All

Im Jahr 2507 ist die gesamte Galaxie von der sogenannten "Allianz" besetzt. Ein Raumschiff mit fünf Mann an Bord leistet jedoch Widerstand und schmuggelt stattdessen stillschweigend an den Rändern des Universums. Als zwei weitere Passagiere an Bord kommen, fliegt die Deckung auf und das Schiff wird gnadenlos gejagt...

Der am 24. November anlaufende Film basiert auf der US-Fernsehserie "Firefly", die wegen kommerzieller Erfolglosigkeit abgesetzt wurde. Dennoch war die Serie bei Science-Fiction-Anhängern ein Hit, sorgte für unzählige Fan-Seiten im Internet und spielte satte DVD-Erlöse ein. Also durfte Debütregisseur Joss Whedon, der bereits Drehbücher für die TV-Serien "Buffy - der Vampir", "Angel" und für den Spielfilm "Toy Story 2" geschrieben hat, seine "Firefly"-Serie unter dem Titel "Serenity" mit der gleichen Besetzung noch mal verfilmen.

Nach immer aufgeblähterem Hollywood-Pomp à la "Star Wars 4" mit seinen militärischen Allmachtsfantasien könnte das promi- und pathosfreie "Serenity"-Abenteuer ein Indiz dafür sein, dass das Publikum solches humorloses Gedöns einfach satt hat. Die abgebrühte Besatzung des Raumschiffs "Serenity" ist jedenfalls gelebtes Anti-Establishment - und die "Allianz" kein Ehrfurcht gebietendes, wohltätiges Imperium, sondern ein CIA-ähnliches Big-Brother-Konglomerat skrupelloser Bürokraten mit zu vielen Leichen im Keller.

Altmodisch rauer Western-Charme

Deshalb macht die "Allianz" Jagd auf das medial begabte Mädchen River, das mit seinem Bruder Simon im "Serenity"-Raumschiff Unterschlupf gefunden hat. River ahnt nicht, dass sie eine Datenträgerin der "Allianz" ist und in ihrem Hirn gefährliche Informationen gespeichert sind. Das führt aber dazu, dass das seltsam tranfunzelige Mädchen - dargestellt von einer grazilen Ex-Ballerina - gelegentlich zur unfreiwilligen Kampfmaschine mutiert. Ärger gibt es auch mit den "Reavers", den durchgeknallten Kannibalen der Galaxie. Und überdies macht dem barschen "Serenity"-Kapitän Mal insgeheim eine missglückte Beziehungskiste zu schaffen.

Inspiriert ist dieser halsbrecherische Achterbahnflug durch entlegene Weltraum-Winkel von den frühen "Alien"-Filmen, von "Blade Runner" und vom allerersten "Star-Wars"-Spektakel: Kapitän Mal ist ein Han-Solo-Replikat. Und neben Zombie-Horror nimmt der Film gar Anleihen beim Western. Das rostige Second-Hand-Raumschiff scheppert nach feindlichem Beschuss zwar zum Gotterbarmen, doch die Verfolgungsjagden sind rasant inszeniert. Und der fehlende Glamour wird mehr als wettgemacht gemacht von selbstironischen Dialogen und smarten Charakteren wie etwa der grauen Eminenz des Imperiums, einem eisigen New-Age-Philosophen.

Durch seine stilistische Unbefangenheit und seinen rauen Charme wirkt das entspannte B-Movie zugleich retro und zeitgemäßer als die geleckten Fantasy-Opern der letzten Zeit. Dort schwangen hehre Ritter das Laserschwert, doch für die Bruchpiloten in der "Serenity" geht's bislang vor allem darum, von Planet A unbeschadet nach Planet B zu kommen. Der Film ist auf eine Fortsetzung angelegt, und man darf gespannt sein, ob die "Serenity" in Zukunft durch die Grauzonen der Multiplexe fliegt oder im Radar potenzieller Blockbuster auftaucht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Serenity

(ap)