"Eat Pray Love" mit Julia Roberts: Selbstfindungstrip ohne Risiko

"Eat Pray Love" mit Julia Roberts : Selbstfindungstrip ohne Risiko

(RP). Eine Karrierefrau hat die Nase voll von den Männern und ihrem Leben: Sie flieht aus ihrer Heimat und beginnt einen Selbstfindungstrip rund um den Globus. Der wurde nun in "Eat Pray Love" mit Julia Roberts ind er Hauptrolle verfilmt.

Wer ist beim Film dafür verantwortlich, dass bei einem Abendessen jedes Detail stimmt? Der Ausstatter? Der Requisiteur? Das war einmal. Heute will das Publikum ganz genau wissen, was auf den Teller kommt. Das Kino muss mit der Fernsehkochshow Schritt halten. Extreme Nahaufnahmen sind nicht länger für Stars reserviert, es gibt sie auch von Pasta, Fisch und Fleisch. Wenn solch eine Szene auf dem Drehplan steht, rufen die Produzenten bei Susan Spungen an. Die Frau nennt sich Foodstylistin und hat bereits Meryl Streep bei der Köchinnen-Biografie "Julie & Julia" unter die Arme gegriffen.

In "Eat Pray Love" ist für sie zunächst nicht viel zu tun, denn die New Yorker Karrierefrau Elizabeth (Julia Roberts) kann ihr Leben nicht so recht genießen — darf es nicht genießen, sonst gäbe es keine Handlung, die sie um den halben Erdball führt. Von einem Mann geschieden und von dem nächsten Partner getrennt, fliegt sie erst einmal nach Rom. Einen neuen Mann braucht sie vorerst nicht, denn sie verliebt sich in die italienische Küche. Die Foodstylistin hat hier ganze Arbeit geleistet, das Wasser läuft dem Zuschauer im Munde zusammen, doch er fragt sich auch: Wer soll das alles bezahlen? Die Frage stellt sich bis zum Schluss, nicht nur im Zusammenhang mit dem Essen.

Selbstfindungsfilm für gutverdienende Singlefrauen

"Eat Pray Love" ist ein Selbstfindungsfilm. Die Zielgruppe: weiblich, zwischen 30 und 50, Single. Und gut verdienend. Das möchte der Film nicht zu deutlich machen. Um davon abzulenken, schickt er Elizabeth zwischendurch in einen Ashram, wo sie meditiert und den Fußboden schrubbt. Jawohl, Julia Roberts, eine der schönsten und reichsten Frauen der Welt, schrubbt in diesem Film den Fußboden. Unfassbar. Aber sie kann jederzeit wieder abreisen, sie hat finanzielle Reserven. Die nächste Station heißt Bali. Dorthin ist sie bestimmt nicht per Anhalter gekommen.

Unzählige Filme haben einen anspruchsvollen Stoff auf Groschenromanniveau reduziert. Hier liegt der umgekehrte Fall vor. "Eat Pray Love", nach dem autobiografischen Bestseller von Elizabeth Gilbert, ist auf der inhaltlichen Ebene von bestürzender Banalität. Aber der Regisseur Ryan Murphy und seine Darsteller benehmen sich so, als hätten sie es mit einem Kunstwerk zu tun.

Ungewöhnlich differenzierte Charaktere

Die Figuren sind ungewöhnlich differenziert gezeichnet: Steven (Billy Crudup), Elizabeths Ehemann, und der auf den ersten Blick etwas unseriös wirkende Schauspieler David (James Franco) wären für jede andere Frau der ideale Partner. Aber hier geht es um Julia Roberts, und die stellt eben höhere Ansprüche. Nur der Beste ist gut genug. Der Beste heißt Felipe (Javier Bardem) und ist natürlich solo. Julia Roberts nimmt keiner Frau den Mann weg.

Gerade wegen seiner seriösen Machart, und weil er auf "Traumschiff"-Kitsch verzichtet, wirkt der Film verlogen. Ständig wird suggeriert, die Heldin sei eine von uns. Julia Roberts macht auch einen aufrichtigen Eindruck, wenn sie einer völlig verarmten, alleinstehenden Mutter ein Haus spendiert. Aber selbst auf dem Höhepunkt ihrer Aufrichtigkeit und Demut bleibt sie eine Touristin, die jederzeit wieder abreisen kann. Zurück nach New York, wo es angeblich nicht auszuhalten war. Denn hier lebt die Zielgruppe des Films.

Bewertung: 2 von 5 Sternen

Hier geht es zur Bilderstrecke: Julia Roberts: Pretty in Shorts bei Filmpremiere

(RP)