Historienfilm "Die Königin und der Leibarzt": Schicksal eines deutschen Aufklärers

Historienfilm "Die Königin und der Leibarzt" : Schicksal eines deutschen Aufklärers

Der König ist peinlich. Er zappelt, reißt unflätige Witze, ist launisch wie ein Kind. Als die hochgebildete, zu feinsten Manieren erzogene Caroline Mathilde von Großbritannien an den dänischen Hof kommt, um König Christian VII. zu heiraten, muss sie bald erkennen, dass ihr kein glückliches Los beschieden ist.

Doch da ist ja noch Johann Friedrich Struensee, deutscher Armenarzt und Aufklärer, der 1768 an den Hof gespült wird und Christians Vertrauen gewinnt. Struensee lässt sich vom irren Gehabe des Königs nicht verunsichern. Er nimmt ihn ernst und wittert seine Chance, politisch Einfluss zu gewinnen. Endlich muss er nicht mehr heimlich mit ein paar Verbündeten in schummrigen Stuben über Ideen wie Pressefreiheit oder die Aufhebung der Sklaverei diskutieren. Er kann sie dem König einflüstern und schon sind sie Gesetz.

Natürlich ist das heikler als es klingt, denn Rechte für das Volk sind Einbußen für den Adel. Doch Struensee ist seine Mission noch nicht heikel genug. Er lässt sich auch noch auf eine Affäre mit der Königin ein, die sich bald in den einzigen Mann mit Geist am Hof verliebt — und Nachwuchs erwartet.

Braver Kostümfilm

Der Däne Nikolaj Arcel legt mit "Die Königin und der Leibarzt" einen geschmackvollen, jedoch recht braven Kostümfilm vor, der sich auf das Privatleben der Hauptfiguren konzentriert, die politischen Hintergründe aber nicht ausblendet. Dass der Film fesselt, liegt vor allem an den beiden männlichen Hauptdarstellern. Mads Mikkelsen spielt den reformbegeisterten Leibarzt, klug, verwegen, als einen kühn-romantischen Helden der Aufklärung und intellektuellen Liebhaber. Und Mikkel Boe Folsgaard gelingt es, aus König Christian VII. eine irre Nervensäge zu machen, zugleich aber durchscheinen zu lassen, dass er sich hinter dieser Fassade nur verschanzt. Man empfindet Mitleid für diesen Flegel, der mit der Rolle des Regenten so überfordert ist, dass er sich lieber in gespielten Wahnsinn flüchtet — und sich am Ende zum Spielball höfischer Intriganten machen lässt.

Natürlich sind all diese Motive bekannt aus nahezu jedem Historienfilm, doch muss man diesem zugestehen, dass er seine Geschichte dezent, weitgehend kitschfrei erzählt. Dass der Film bei der Berlinale in diesem Jahr allerdings gleich zwei Bären gewinnen konnte, ist doch überraschend. Einmal, weil Folsgaard die Darsteller-Auszeichnung bekam, obwohl Mikkelsen viel prägnanter spielt. Vor allem aber, weil auch noch der Drehbuch-Bär an diese Produktion ging. Dieses Drama ist gediegenes Kostümkino, mehr nicht.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

(RP)