"Verrückt nach Dir" mit Drew Barrymore: Romantik-Komödie aus New York

"Verrückt nach Dir" mit Drew Barrymore : Romantik-Komödie aus New York

(RP). "Verrückt nach Dir" erzählt eine feine Liebesgeschichte aus dem amerikanischen Prekariat. Erin und Garrett verlieben sich ineinander. Weil sie aber nicht in New York bleiben kann, müssen die beiden zwischen Ost- und Westküste pendeln.

Erin und Garrett verlieben sich ineinander, und vor lauter Vergnügen am gemeinsamen Lachen über kleine und große Missgeschicke — vom miserablen Wein in einem Restaurant bis zu den Sorgen im Beruf — merken sie wochenlang gar nicht, wie tief ihre Liebe geht. Dabei hat Erin, die Praktikantin in einer New Yorker Zeitungsredaktion, gleich zum Auftakt erklärt, dass ihre Romanze nicht lange dauern könne, weil sie bald ins heimische Kalifornien zurückkehren muss. Und dem New Yorker Garrett war dieser Hinweis zunächst durchaus recht, weil er nur Ablenkung von seiner gekränkten Eitelkeit suchte, nachdem ihm eine Freundin den Laufpass gegeben hatte.

Es ist immer schwer, den Übergang vom erotischen Geplänkel zur großen Leidenschaft glaubhaft darzustellen, und in dieser Liebesgeschichte fällt er besonders wackelig aus. Hinter dem deutschen Titel "Verrückt nach dir" versteckt sich ein Film namens "Going the Distance", das Sich-Einlassen auf eine große Entfernung. Aber es dauert lange, bis man den beiden Hauptfiguren abnimmt, dass sie unter ihrer Trennung immer heftiger leiden, je mehr ihnen Freunde und Verwandte die Unmöglichkeit einer Beziehung über einen ganzen Kontinent hinweg einzureden versuchen.

Netter Liebesfilm

Das liegt nicht nur an den beiden Darstellern. Drew Barrymore und Justin Long sind vergnüglich anzusehen, solange sie das spielen, was sie derzeit auch im wirklichen Leben sind: ein Paar, das sich nach längerer Entfremdung wieder gut versteht, ausgestattet mit beträchtlichem Dialogwitz, der dem Drehbuch-Neuling Geoff LaTulippe auch dann gelingt, wenn er in Derbheiten schwelgt. Doch die große, alle Hindernisse überwindende Leidenschaft nimmt man diesem Paar nicht ab.

Als Garrett bei einem seiner seltenen Besuche in San Francisco so heftig über seine Erin herfällt, dass sie einander auf einem Tisch die Kleider vom Leib reißen, wird der Anlauf zu entfesseltem Sex alsbald durch schrille Situationskomik ausgebremst: Erins Schwester überrascht die beiden und entrüstet sich nicht etwa über das Paar, sondern über ihren biederen Ehemann. Denn der hatte, von den Liebenden (und vom Zuschauer) gar nicht wahrgenommen, starr vor Schreck dieser ungewöhnlichen Unterbrechung seines Mittagsmahls zugesehen.

Großartige Christina Applegate

Erins Schwester wird von Christina Applegate so intensiv verkörpert, dass man ihr eine merkwürdige Mischung aus strenger Mutter, neurotischem Putzteufel und liebenswürdig weltkluger Freundin abnimmt. Sie entwickelt ein einprägsames Profil, während Garretts Freunde in New York austauschbare Clowns bleiben. Sie gehören zu den komischen Einlagen, die vor lauter Bemühen um kurzatmige Unterhaltsamkeit das Abheben in eine große Liebesgeschichte behindern.

Andererseits hat die Regisseurin Nanette Burstein, die sich durch Dokumentarfilme einen Namen machte, ihren ersten Spielfilm mit durchaus anrührenden Ausbrüchen aus komödiantischen Klischees in schwermütigen Realismus angereichert. Die jungen Liebenden sind von beruflichen Zukunftsängsten geradezu verstört.

Zukunftängste der Generation Praktikum

Erin verlässt New York mit der bitteren Belehrung, dass dort auch gelobte junge Journalisten keine Chance haben, einen Redakteurs-Posten zu ergattern. Garrett zaudert, einen ungeliebten, aber festen Job in New York aufzugeben und den Sprung in eine prekäre Existenz in Kalifornien zu wagen. Sie gehören zu der wachsenden Zahl von Amerikanern, die sich zwischen Ost- oder Westküste entscheiden müssen. Das "Heartland America", das immer mehr entvölkerte Landesinnere, schrumpft zu bloßem "Überflug-Land", zu einem riesigen, kostspieligen Verkehrshindernis zwischen den Metropolen am Atlantik und am Pazifik.

So werden die Flugreisen der beiden zwischen Ost- und Westküste zu simplen Trickfilm-Einlagen verkürzt: langweilige Routine halt und keine Ausschmückung in Realfilm-Szenen wert. Ganz anders als das New York in diesem Film: Der Central Park im Wechsel der Jahreszeiten, die Strände auf Long Island und viele schöne Kneipen werden gefeiert als ständiges Fest, das über die Zukunftsängste im Büro-Alltag hinweghilft. San Francisco dagegen scheint nur Familienidyllen in Vorstadt-Häusern zu bieten. Da ist die Regisseurin, wie die meisten New Yorker Filmleute, ganz parteiisch: Kalifornien bleibt ihnen immer nur zweite Wahl.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

(RP)