"Planet der Affen: Revolution": Packende Vorgeschichte — aber die ist eh nur zweitrangig

"Planet der Affen: Revolution" : Packende Vorgeschichte — aber die ist eh nur zweitrangig

Noch liegt der Wald ganz still. Aber schon bricht Rotwild in heller Panik durchs Unterholz, gehetzt von Menschenaffen aller Arten, Schimpansen, Bonobos, Gorillas, Orang-Utans. Diese frühe Szene in "Planet der Affen: Revolution" ist eigentlich eine traurige.

Die Affen haben sich aus der Knechtschaft in Zoos, Freizeitparks und Versuchslaboren befreit. Sie haben die Menschen überwunden. Aber in der Aggression dieser großen Jagd, in der sie sich zu Herren über die anderen Tiere machen, ist die Wiederholung der Menschheitsgeschichte durch die nächste Spezies angelegt. Im Kern war die "Planet der Affen"-Reihe, deren erster Film 1968 ins Kino kam, stets pessimistisch.

Matt Reeves "Revolution" spielt einige Zeit nach Rupert Wyatts "Planet der Affen: Prevolution", der 2011 das Franchise neu belebt hat. Erzählt wurde damals der Beginn des Umschwungs weltgeschichtlicher Fortune vom Homo Sapiens hin zu den Primaten. Caesar, ein junger Laboraffe, erwies sich als besonders intelligent. Er erlernte die Taubstummensprache und ein Unrechtsbewusstsein.

Der spartacushafte Aufstand der Affen, mit dem "Prevolution" endete, hätte gegen die menschliche Übermacht keine Chance gehabt. "Revolution" aber zeigt zu Beginn noch mal im Schnelldurchlauf, wie ein Virus, den die Affen in sich tragen, fast die ganze Menschheit im Eiltempo auslöscht. Caesar und die Seinen haben sich in den Wäldern an der Pazifikküste der USA eine Stadt errichtet. In der noch sehr steinzeitlichen Kultur gibt es eine Schule, eine Steinwand voller Schriftzeichen. Affen töten keine Affen, steht da als oberste Regel. Das wird eine Utopie bleiben.

Die Menschen nämlich sind dann doch nicht ganz verschwunden. Ein Häuflein genetisch Resistenter hat sich in den Ruinen von San Francisco eingerichtet, und bald kommt es zu Reibereien mit den Affen. Und bei den Affen kämpfen Hass, Misstrauen und Angst gegen Caesars Willen zum Interessenausgleich.

Das ist dramaturgisch alles andere als straff, elegant oder überraschend entwickelt. Des Drehbuchs wegen wird niemand ein zweites Mal in "Planet der Affen: Revolution" gehen. Aber dies ist auch kein Film, den man einer originellen Geschichte wegen schaut. Er klinkt sich ein in jenes Unwohlsein, das derzeit vor allem von TV-Serien bedient wird, in das Gefühl, dass unsere Luxuszivilisation kurz vorm Ende steht. In "The Walking Dead" ist es eine Zombieseuche, in "Falling Skies" eine außerirdische Invasion, in einer ebenfalls "Revolution" betitelten TV-Serie der geheimnisvolle Ausfall aller Elektronik, die das Ende des Vertrauten bringen. Und so sieht man auch im neuesten Teil der "Planet der Affen"-Reihe eine neue Welt konkreter Herausforderungen und nackten Überlebenskampfes.

Weil die Computeranimation großartig ist, weil der von Bewegungen und Mimik des Schauspielers Andy Serkis gelenkte Caesar Würde ausstrahlt, funktioniert dieser Teil des Films. Man schaut sich "Planet der Affen: Revolution" der Atmosphäre wegen in den 3-D-Bildern der Postapokalypse an, wegen der vielen Fragen, die das alltägliche Gebaren seiner Affen und Menschen aufwirft. Die zweitrangige Geschichte vergisst man einfach.

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(RP)
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