Film-Kritik: Oktoberfest: Das Leben rund um die Maß

Film-Kritik : Oktoberfest: Das Leben rund um die Maß

Wo ließen sich Menschen unterschiedlichster Kulturen besser beobachten als auf einem großen Fest? Regisseur Johannes Brunner hat sich nicht umsonst die "Wiesn" als Schauplatz für sein Spielfilm-Debüt ausgesucht. "Oktoberfest" erzählt sieben Episoden von Leuten, die feste arbeiten, während andere feste feiern.

Die Stimmung in "Oktoberfest" wird von der ausgelassenen und manchmal hektischen Seite des Volksfestes geprägt, die immer wieder in den Vordergrund kommt: Die Karussells drehen sich, die Achterbahnen sausen durchs Bild, die Musik spielt, die Menschen trinken und die Lichter blinken. In diesem Gewimmel spitzen sich alle Episoden zu, Konflikte brodeln, Beziehungen entstehen.

Da ist der attraktive junge Italiener Alessandro, der nach einer gescheiterten Beziehung mit zwei Freunden nach München gekommen ist. Im Hofbräuzelt trifft das Trio auf zwei feierwillige Mädchen, deren Freundschaft durch den dramatischen Verlauf des weiteren Abends auf eine harte Probe gestellt wird. Allein Alessandro löst sich früh von der Gruppe und verliebt sich ausgerechnet in eine schüchterne Japanerin: Die wiederum ist eigentlich gerade in den Flitterwochen, doch ihr Mann hat den regen Bierkonsum mit einer Gruppe Engländer nicht gut verkraftet und muss medizinisch behandelt werden.

Munterer Wechsel zwischen Episoden

Derweil hütet der geschiedene Lehrer Richard seine beiden Kinder, zu denen er ein ohnehin schwieriges Verhältnis hat. Auf dem Fest trifft er unerwartet auf seine junge Geliebte, verliert in der angespannten Situation aber seinen Sohn Marc aus den Augen und gerät darüber auch mit seiner Tochter Jenny in einen großen Streit, der in eine viel globalere Auseinandersetzung um Liebe und Verantwortung mündet.

Der Film wechselt munter zwischen den Episoden hin- und her - es sind jedoch zu viele, um noch jeder Geschichte mit der gleichen Aufmerksamkeit zu folgen. Zudem geht die Fülle der Personen auf Kosten ihrer Charakterisierung: Man erfährt wenig über das, was die Menschen bewegt, und bleibt ihnen unangenehm fern - daran können letztlich auch die guten Darsteller wie Peter Lohmeyer oder Barbara Rudnik wenig ändern.

Erst spät führt Brunner die Geschichten ihrem dramatischen Höhepunkt zu: Die Festzeltbedienung Birgit (Rudnik), schon seit langem unglücklich in der Ehe mit dem untreuen Musiker Max, trifft nach langem Zögern eine Entscheidung, die ihr ganzes Leben ändern kann. Und der undurchsichtige junge Mann, der bei der Polizei mit Anspielungen auf das Wiesn-Attentat von 1980 Angst und Schrecken verbreitet hat, lässt sich von der Zufallsbekanntschaft mit einem Mädchen aus einer Schausteller-Familie vom Weg abbringen. Enden lässt der Regisseur sein Werk am Tag nach dem großen Fest, wenn in jeder Episode der große Knall schon vorüber ist; die Sonne geht über dem Gelände auf und taucht alles in ein anderes Licht.

Das alles ist solide konstruiert und teils durchaus unterhaltsam in Szene gesetzt - doch mit Klischees wird dabei leider nicht gespart, und auch die Dialoge sind oft arg abgedroschen. Insgesamt haftet dem eher hausbackenen Werk die Atmosphäre eines Filmes für einen netten Fernsehabend an, das große Kinoerlebnis will sich nicht einstellen. Für die Fans des größten Volksfests der Welt dürfte er dennoch hervorragend geeignet sein, und wer noch nie dort war, kann sich hier bestens einstimmen.

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(ap)