Kino-Kritik: Neues von Francis Ford Coppola

Kino-Kritik : Neues von Francis Ford Coppola

Düsseldorf (RP). Der Mann ist stur, das verdient Respekt. Francis Ford Coppola könnte jederzeit mit "Der Pate Teil IV" oder einem Kriegsepos in der Tradition von "Apocalypse Now" Furore machen, aber er hat keine Lust, sich zu wiederholen. Die Marktgesetze interessieren ihn nicht. Die Meinung seiner Fans auch nicht. Was ihn als Künstler antreibt, ist allein seine innere Stimme, und die hat ihm befohlen, die Novelle "Jugend ohne Jugend" zu verfilmen.

Deren Verfasser Mircea Eliade ist eine Leitfigur des esoterischen Schamanismus. Sein Studium religiöser Archetypen und seine Beschreibung außerkörperlicher Erfahrung hat die parapsychologische Literatur stark beeinflusst. Starker Tobak, aber im Idealfall großes Kino.

Die Handlung beginnt ganz realistisch im Bukarest des Jahres 1938. Der 70-jährige Linguistik-Professor Dominic (Tim Roth) wird vom Blitz getroffen, als er gerade einen Schirm aufspannen will. Dass er überlebt, ist nicht das einzige Wunder. Der Chefarzt (Bruno Ganz), der ihn von seinen Bandagen befreit, sieht einen um 30 Jahre verjüngten Mann vor sich. Als Dominic auch noch Bücher lesen kann, ohne sie aufzuschlagen, beginnen sich Nazi- Agenten für ihn zu interessieren. Um nicht vereinnahmt zu werden, flieht er in die Schweiz.

Damit ist der Politthriller zuende. Jetzt beginnt eine wehmütige Liebesgeschichte zwischen Dominic und Victoria, die ihn an seine Jugendliebe Laura erinnert. Beide Frauen werden von Alexandra Maria Lara verkörpert. Beide? Es sind bald drei, denn nachdem Victoria vom Blitz getroffen wurde, verwandelt sie sich in Rupini, eine untote Zeitreisende. Dominic will herausfinden, aus welcher ausgestorbenen Kultur sie stammt.

Solch ein abwegiges Projekt bekommt man nur finanziert, wenn man Coppola heißt, und die Hingabe seiner Darsteller hat mehr mit seiner ruhmreichen Vergangenheit zu tun als mit einem schlüssigen künstlerischen Konzept. Immerhin überzeugt Alexandra Maria Lara als Objekt romantischer Gefühle, und die archaischen Worte Rupinis gehen ihr mühelos über die Lippen. Dagegen fehlt Tim Roth die nötige Aura, um als liebeskranker Forscher durchzugehen. Hinter dieser Figur soll sich Coppola selbst verbergen, hat er verlauten lassen. Auch er sucht nach einer verborgenen Wahrheit und möchte ein großes Werk vollenden.

Das ist ihm mit "Jugend ohne Jugend" definitiv nicht gelungen. Die Umsetzung ist konventionell. Etwas mehr Pathos wäre in diesem Fall dann doch angebracht gewesen.