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Kino-Kritik: Mission: Impossible III: Kein neuer James Bond

Kino-Kritik : Mission: Impossible III: Kein neuer James Bond

Eine atomare Bedrohung im Iran? Ein nicht enden wollender Krieg im Irak? Sonstige Probleme unlösbarer Art? Schickt doch mal Ethan Hunt hin, der Mann mit den Nerven aus Draht würde bestimmt nicht scheitern. Doch den gibt's nur im Kino. Dafür kracht Tom Cruise in der Rolle des amerikanischen Superagenten dort umso lauter.

Und zweifellos dürfte die Hollywood-Großproduktion mit spektakulärer Action, waghalsigen Stunts und attraktiven internationalen Schauplätzen ein Kassenerfolg werden. Und weil die reele Politik meist komplizierter ist als die Fiktionen von Drehbuchautoren, erfreuen sich Millionen an den Heldentaten solcher Filmfiguren wie jenes jungen Mannes, der sich mit seinem Team darauf spezialisiert hat, für sein Land die Aufgaben zu lösen, die eigentlich unlösbar sind. Im aktuellen Fall soll Ethan Hunt den diabolischen Geheimwissenshändler Owen Davian außer Gefecht setzen. Das gelingt natürlich schon deshalb, weil die "Mission: Impossible"-Serie fortgesetzt werden soll.

Dieser Davian ist ein harter Brocken, der von diesjährigen Oscar-Gewinner Philip Seymour Hoffman prominent verkörpert wird. Für Cruise ist der direkte Vergleich mit einem brillanten Schauspieler wie Hoffman nicht sonderlich vorteilhaft. Doch dem Film tut es gut, einen Bösewicht von solchem Format aufbieten zu können. Hunt verfolgt Davian sowohl im Vatikan wie später auch in Schanghai, eine bemerkenswert eigenwillige Wahl der Hauptschauplätze. Zu Beginn des Films hat der Held allerdings einen opferreichen Einsatz in Deutschland, genauer gesagt: in einer stillgelegten Berliner Fabrik. In Kenntnis der weitgehenden De-Industrialisierung der deutschen Hauptstadt zeugt das von sensibler Recherche der Autoren.

Dieser Ort wird nach Herzenslust zerschossen und in die Luft gejagt. Was das Leinwandspektakel allerdings zum Kultfilm für Gegner von Windkraftanlagen machen dürfte, ist die rücksichtslose Demolierung einer solchen durch sich bekriegende Kampfhubschrauber. Deutschland aus allerneuester Hollywood-Sicht: Eine abgewrackte Fabrik und stürzende Windräder. Da kommt der Vatikan, in dem Hunt eine tollkühne Attacke auf den Böswicht durchführt, wesentlich besser weg. In solch prachtvoll-geheimnisumwitterter Kulisse hat der Film einige seiner besten Szenen schon deshalb, weil die Erhabenheit des Ortes gebietet, nicht mit Sprengstoff, sondern List und Tücke zu hantieren.

Der Vergleich mit "James Bond" fällt negativ aus

Regisseur J.J.Abrams, der zusammen mit Alex Kurtzman und Roberto Orci auch das Drehbuch verfasste, wollte mehr als nur einen weiteren aufwendigen Actionthriller in die Welt setzen: "Wenn man Mission: Impossible hört, weiß man, dass man extreme Situationen, großartige Action und unglaubliche Stunts bekommt. Die Idee war, dies mit einer intimen Story, mit einer Liebesgeschichte zu kombinieren, Freundschaften zu zeigen, die echt sind, und Charaktere, die man wirklich kennen und mögen lernt." Was die Liebesgeschichte betrifft, scheitert das am mangelnden Format der Liebenden Ethan Hunt und seiner angebeteten Julia, gespielt von der blassen Michelle Monaghan.

Wenn Cruise und Monaghan zwischen zwei Kampfeinsätzen des Helden bei einer Schnelltrauung peinlich giggelnd vorm Priester stehen, dann sehnt sich der Zuschauer zutiefst nach dem alten Schwerenöter James Bond, der es zwar nicht so mit dem Heiraten, aber mit schönen Frauen umso mehr hat. Überhaupt muss die "Mission: Impossible"-Serie mit den Filmen um den legendären Agenten Ihrer Majestät in Vergleich gesetzt werden. Denn Hunt wie Bond sind für ihr jeweiliges Vaterland dann in Aktion, wenn weder Diplomatie noch Militär etwas ausrichten können. Doch während der Brite mit Charme, Witz und Raffinement vorgeht, agiert der Amerikaner als Mann ohne Eigenschaften mit bierernstem Patriotismus und ohne auch nur den Hauch von Selbstironie.

Dass Hunt in der dritten Auflage des Kassenerfolgs sich mit biederem Jungmännerstolz als Verliebter und potenzieller Familiengründer präsentieren darf, macht die Figur vielleicht sympathischer, aber keineswegs interessanter. Bemerkenswert allerdings sind die Motive des anderen Schurken der Handlung, dessen Person nicht verraten werden soll. Da haben sich die Autoren jedenfalls etwas ganz besonders politisch Korrektes ausgedacht. Der Film endet in einer chinesischen Idylle, weitab von den Hochhausschluchten der Riesenmetropole Schanghai. Ethan und seine Julia haben alles überstanden, der Zuschauer allerdings auch. Denn man ist ziemlich betäubt nach Filmen wie "Mission: Impossible III".

(ap)