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Neu im Kino: Märchenhafte Lügen an der Bettkante

Neu im Kino : Märchenhafte Lügen an der Bettkante

(RP). Skeeter erzählt Gute-Nacht-Geschichten. Das tun Erwachsene auch im Zeitalter multimedial vernetzter Kinderzimmer noch. Skeeter, Laufbursche in einem Hotel, das sein Vater einst liebevoll aufgebaut und dann an gerissenere Geschäftspartner verloren hat, führt vor, was am improvisierten Erzählen so reizt: Man kann sich die Welt neu zurechtlegen.

Wenn Skeeter (Adam Sandler) den Kindern seiner Schwester Abenteuer von Cowboys und Rittern zusammenfabelt, kostümiert er die Konflikte seines eigenen Lebens. Dann lässt er einen armen, verkannten, aber anständigen Kerl gegen blenderische Schurken antreten. Skeeter würde in der Realität gerne Direktor des erweiterten Hotelzentrums werden, hat vorerst aber keine Chance gegen seinen öligen Rivalen (Guy Pearce).

Doch Skeeters gefabelte Triumphe unterliegen der doppelten Korrektur durch die eigenen Zweifel und die Einmischungen der Kinder. Was er erzählt — und was wir auf der Leinwand sehen — ändert sich beständig. Im einen Moment ist er noch ein prächtiger Ritter, dann ändert sich Satz um Satz das Bild, bis er als Habenichts auf den Boden plumpst, weil ihm das Pferd unterm Hintern wegerzählt wurde.

Diese Stutzung der erwachsenen Selbstdarstellung liefert einige ulkige Momente und ist der kindgerechte Teil der von den Disney-Studios produzierten Familienkomödie "Bedtime Stories". Adam Sandler in seiner üblichen Rolle des nicht allzu hellen Gemütskerls liefert einen Erwachsenen, dem Kinder sich überlegen fühlen können.

Die dröge entwickelte Rahmenhandlung allerdings — Skeeter kämpft gegen fiese Pläne aus der Chefetage — kann nicht sonderlich amüsieren. Regisseur Adam Shankman ("Wedding Planner", "Hairspray") ringt dem Material nie den Irrwitz ab, mit dem sich Jerry Lewis durch schwächere Filme schlug.

Das Drehbuch stiehlt sich aber auch vor der interessantesten eigenen Idee davon: Skeeter hasst moderne Pädagogik und politische Korrektheit, seine Gute-Nacht-Geschichten sind das Gegenprogramm zu ökologisch bewussten Kindererziehungstraktaten. Hätte man diesen Strang weiterverfolgt, hätte man zumindest eine kontroverse Gaudi bekommen. So müssen wir wie früher bei der Gute-Nacht-Geschichte gegen das Einschlummern ankämpfen.

(RP)