"Love, Rosie" mit Lily Collins: Königskinder-Romanze nach Cecilia Ahern

"Love, Rosie" im Kino: Königskinder-Romanze nach Cecilia Ahern

Für "Love, Rosie" diente der Roman "Für immer vielleicht" als Vorlage. Daraus entstanden ist ein süßlicher Liebesfilm mit tollen Darstellern.

Es muss ihn natürlich geben, den Moment gleich am Anfang, der zweifelsfrei zeigt, dass diese zwei zusammengehören. Rosie und Alex sind die besten Freunde, schon seit ihrer Kindheit. An diesem Abend sind sie außerdem betrunken. Auf einer wilden Schulabschlussparty kommt es zum lange überfälligen Kuss. Doch leider wird Rosie sich am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern. Schlimmer noch, sie wird nur wenig später nach einem verunfallten One Night Stand schwanger - und erzählt Alex aus Scham nichts davon. Was für eine Fehlentscheidung. Aber die muss es ja auch geben in dieser Art von Königskinder-Romanze. Die Sekunde, in der sämtliche Weichen so furchtbar falsch gestellt werden, dass sich mit den daraus folgenden Entgleisungen ein ganzer Film füllen lässt.

Man kann eine seicht dahinplätschernde, durchkonstruierte Komödie wie "Love, Rosie" mit Geringschätzung abtun. Man kann ihr, mit etwas Großmut, aber auch eine gewisse Qualität zugestehen: die Kunst, aus einer absolut statischen Story bunte, federleichte Unterhaltung zu machen. Schon Rob Reiner zeigte 1989 in "Harry und Sally", wie viel Spaß es bringen kann, ein verhindertes Traumpaar ewig umeinander herumtänzeln zu lassen. Und 2011 näherte sich das Drama "Zwei an einem Tag" dem Sujet von der traurigen Seite: 16 Jahre lang muss Anne Hathaway da auf ihre Jugendliebe warten.

Rosie und Alex schrammen nun immerhin über zwölf Jahre gekonnt aneinander vorbei. Lily Collins spielt Rosie, Tochter von Popstar Phil Collins und Hollywoods neues Darling. Alex wird verkörpert vom Briten Sam Claflin, das Sexsymbol unter den "Tributen von Panem" und Hollywoods anderes neues Darling. Als Vorlage dient der Bestseller "Für immer vielleicht" von Cecilia Ahern, das Drehbuch schrieb "Kalender Girls"-Autorin Juliette Towhidi. Die Regie übernahm der Deutsche Christian Ditter ("Vorstadtkrokodile"). Ein Kunstwerk ist "Love, Rosie" vor allem in seiner absoluten Ausrichtung auf Massentauglichkeit. Und weil das so ist, wagt der Film keinerlei Experimente, weder inhaltlich noch stilistisch.

Rosie und Alex sind schlagfertig genug für eine Reihe sprühender Screwball-Dialoge. Als Alex von England in die USA zieht, was eigentlich beide gemeinsam vorhatten, geht der Schlagabtausch in schriftlicher Form weiter. Rosie bleibt in London, bringt das Baby zur Welt, will es weggeben und kann es dann doch nicht. Weil Alex in Amerika nichts von all dem ahnt, lässt er sich mit einer anderen ein. Eine zum Scheitern verurteilte Beziehung, in der er es exakt so lange aushält, bis die einsame Rosie es erneut mit dem Vater ihrer Tochter versucht.

Ahern setzt ihr Buch aus E-Mails, Chats, SMS und Telefonaten zusammen. Ein Briefroman mit den Mitteln unserer Zeit. Ditters Film aber spaltet sich mit Alex und Rosie auf. Er in seiner unterkühlten Ehe, sie in ihrem pittoresken Familienchaos. Zwei Dramen in einem, die jedes für sich leidlich funktionieren, den Film aber auch in uneinheitliche Episoden zerfallen lassen.

Damit man dennoch nicht vergisst, wer hier zu wem gehört, reduziert Ditter seine Nebenfiguren auf ärgerliche Klischees. Alex' Frau ist eine zwanghafte Blondine ohne Empathie, die ihrem Mann die Luft zum Atmen raubt. Rosies Mann ist sogar noch schlimmer, ein Schürzenjäger mit Hang zum Alkohol. Einer, den keine Frau brauchen kann, schon gar nicht die leidgeprüfte Rosie. Mit Schablonen wie diesen macht der Film es sich leicht.

Die Sache würde irgendwann langweilig ohne den Charme von Claflin und Collins. Vor allem in Lily Collins kratzbürstiger Zerbrechlichkeit liegt ein Hauch Audrey Hepburn. Man nimmt es ihr alles ab, das Leiden und das Sehnen und den tapferen Humor. Und man fiebert mit ihr, selbst an Stellen, in denen es eigentlich wenig mitzufiebern gibt.

(RP)