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"Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen": Leckereien von oben

"Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" : Leckereien von oben

(RP). Wachstum ist gut. Mehr Wachstum ist besser. Ungebremstes Wachstum ist die schönste Utopie. Diesem Kernglauben aller Spekulanten und Deregulierungsapostel setzt der 3D-Trickfilm "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" eine skeptische Vision entgegen. Im Städtchen Affenfels baut ein Erfinder ein Wundermaschine, die aus fast Nichts Nahrung produzieren soll.

Das Gerät zischt leider in den Himmel über der Stadt ab und beginnt zu produzieren: Würste und Törtchen, Steaks und Pasteten, Hamburger und Donuts. Das Essen schneit vom Himmel, was den Bürgermeister in Verzückung versetzt.

Der Fischfang, die Haupteinnahmequelle der Stadt, ist zwar ruiniert. Aber das Stadtoberhaupt, das die Gratisgaben von oben beständig in sich hineinstopft und eine aufgeblähte Karikatur des Wachstumsglaubens wird, hofft auf das Gute am Strukturwandel. Von jetzt an sollen Touristen in die Netze gehen. Nein, dies ist keine Wirtschaftskrisensatire für Große. Es ist die Verfilmung eines Kinderbuchs von Judy Barrett, die allerdings so zur rechten Zeit kam, dass sie in den USA ganz groß abkassiert hat.

Das Sony Animation Studio ("Jagdfieber") hat sich hier zum ersten Mal auf den Wachstumsmarkt des 3D-Kinos begeben. Ihm sind die klassischen Räumlichkeitseffekte noch wichtiger als die Erweiterung der Leinwand nach hinten. Nicht so ausgefeilt wie ein Pixar-Film, nicht so zynisch wie ein Dreamworks-Produkt ("Shrek"), ist "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" ein erziehungswilliger Film, der gegen Gier, Fastfood und Ausgrenzung der Schwachen zu Felde zieht. Aber immer so munter und vergnüglich, dass er nicht gegen sich einnimmt.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

(RP)