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Film-Kritik: L'enfant: Schnelles Geld um jeden Preis

Film-Kritik : L'enfant: Schnelles Geld um jeden Preis

5.000 Euro - das ist die Summe für die der junge und verantwortunglose Vater Bruno bereit ist, sein Kind an eine Drückerbande zu verkaufen. Der Protagonist des Films "L'enfant" lebt von der Hand in den Mund und macht alles, was ihm schnelles Geld bringt. Was er mit dieser Tat angerichtet hat, wird ihm jedoch erst bewusst, nachdem seine Freundin und Kindsmutter Sonia nervlich zusammenbricht.

Die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne errangen sich schon mit "La Promesse" und "Rosetta" mit ihrem lakonischen Blick auf die sozialen Randzonen der Gesellschaft Anerkennung. "L'enfant" ist ein außergewöhnlicher Film, für den sie nicht umsonst die Goldene Palme in Cannes bekommen haben. Es ist ein Film, der anrührt durch seine Realitätsbezogenheit und seinen Verzicht auf jegliche sentimentale Romantisierung.

Die Geschichte spielt in einer Stadt mit vielen grauen Straßenschluchten und heruntergekommenen Mietshäusern. Ein Fluss durchquert sie. Es könnte irgendeine Stadt sein. Bruno und Sonia sind die beiden jungen Leute von nebenan. Solche wie sie trifft man überall. Gerade deswegen bewegt ihre Geschichte tief.

Schauspielerische Bestleistungen

Die beiden Regisseure haben das Beste aus ihren Schauspielern herausgeholt: Der Bruno-Darsteller Jérémie Rénier gibt der Figur genau das notwendige Maß an Coolness. Nur so viel, dass er nicht abgestumpft oder zynisch wirkt, denn unberührbar ist der 20-jährige Protagonist nicht. Die 18-jährige Sonia, gespielt von Déborah François, hat diese Spur von Trotz im Gesicht, die zeigt, dass sie schon viele Schattenseiten des Lebens kennen gelernt hat, aber nicht aufgehört hat, es zu lieben. Jérémie Segard als Steve, der Bruno bei seinen Gaunereien hilft, ist unvergesslich mit seinem ernsten, schon so viel wissenden und gleichzeitig fürchtenden Kindergesicht.

In "L'enfant" geht es nicht um das große Drama, sondern um die vielen kleinen Geschehnisse, die das Leben Stück für Stück zur Hölle werden lassen können - wäre da nicht die Liebe, die Bruno und Sonia trotz allem leise begleitet. Das könnte sie retten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: L'enfant

(afp)