Literaturverfilmung "Hinter der Tür": Kräftemessen zwischen Helen Mirren und Martina Gedeck

Literaturverfilmung "Hinter der Tür" : Kräftemessen zwischen Helen Mirren und Martina Gedeck

Emerenc ist eine schroffe Frau. Den Haushalt der Schriftstellerin Magda führt sie nach eigenwilligen Regeln, kommt und geht, wann sie will, lässt sich keine Vorschriften machen. Magda und deren Mann überhäuft sie mit kitschigen Geschenken und ist erbost, wenn die den Nippes nicht prominent in der Wohnung platzieren. In weichen Momenten aber bringt sie den beiden Kuchen vorbei und erzählt sogar von früher, aus ihrer Kindheit, in der viel Unheilvolles geschah.

In "Hinter der Tür" zeichnete die ungarische Schriftstellerin Magda Szabó das Porträt einer herben, verschlossenen, hochsensiblen älteren Frau, einer stolzen Untergebenen, die Katzen lieber mag als Menschen, weil sie die Menschen kennt. In der Verfilmung des Romans spielt Helen Mirren diese Frau mit einem eigentümlich traurigen Hochmut und überraschend ruppigem Kämpfersinn. Emerenc weiß, zu welcher Klasse sie gehört, und dass Klassen menschengemacht sind. Herausgefordert wird sie von Martina Gedeck, ihrer Arbeitgeberin, einer Intellektuellen, die erst durch ihre Haushälterin lernen muss, was wahrhaft lieben bedeutet: die Würde des anderen achten, seinen Willen respektieren, ihn wichtiger nehmen als sich selbst.

Es gibt packende Momente zwischen den beiden Frauen, in denen sie sich voller Zorn Wahres über das Leben an den Kopf werfen. Doch der Film "Hinter der Tür" von István Szabó wirkt behäbig, bieder, langatmig. Die beiden Gegenspielerinnen machen keine Entwicklung durch. Zwar geschehen dramatische Dinge, doch die verändern die beiden Frauen nicht. Es kommt immer wieder zu denselben Konflikten.

Helen Mirren spielt ihren Part intensiv, dabei dezent, die Rolle liegt ihr. Dagegen spürt man bei Martina Gedeck manchmal zu deutlich, dass sie spielt, dass sie in Kostümen der 60er Jahre steckt, die Haare nur für eine Szene zu eleganten Hochschlagfrisuren festgesteckt bekam. Sie geht nicht ganz auf in der Rolle. So folgt man der reichen Handlung nur mäßig gebannt. Es stammt nicht nur der Stoff aus einer anderen Zeit, sondern auch diese Art der Romanverfilmung.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

(RP)
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