Kinokritik Drama über Untergang der „Kursk“

Regisseur Thomas Vinterberg erzählt vom U-Boot-Unglück im Jahr 2000.

 Szene aus „Kursk“ – nach einer wahren Begebenheiten.

Szene aus „Kursk“ – nach einer wahren Begebenheiten.

Foto: dpa/-

(dpa) Zu den harten Riffs von Metallicas Alptraum-Song „Enter Sandman“ geht Kapitän Mikhail Averin mit seinen Männern an Bord des russischen Atom-U-Bootes „Kursk“. Es sollte eine Reise ohne Wiederkehr werden: Der Untergang der „Kursk“ im Jahr 2000 hielt die ganze Welt in Atem. Nach der Explosion eines Torpedos war das U-Boot in der Barentssee gesunken. Trotz fieberhafter Rettungsversuche kamen schließlich alle 118 Mann ums Leben.

Es ist eine bittere Geschichte des Versagens, die jetzt von dem dänischen Regisseur Thomas Vinterberg – zwischen Fakten und Fiktion – verfilmt wurde. Einigermaßen überraschend, denn im Mainstream hatte ihn bisher nicht verortet.

Vor allem in den U-Boot-Szenen, wenn Mikhail (Matthias Schoenaerts) und ein paar Kameraden um ihr Leben kämpfen, der Wettlauf um die immer schneller verrinnende Zeit immer unerbittlicher wird und das Versagen der Politiker und Militärs Fassungslosigkeit erzeugt, zeigt Vinterberg, dass er auch Hollywood kann – mit großartigen europäischen Star-Schauspielern wie Léa Seydoux, Max von Sydow, Matthias Schoenaerts, Colin Firth und Matthias Schweighöfer. Und die schwermütig-dramatische Musik kommt von Oscar-Preisträger Alexandre Desplat.

Aber um den Beweis seiner Virtuosität geht es dem dänischen Regisseur nicht, was besonders in den Landszenen zum Ausdruck kommt. Hier stehen vor allem die hoffenden, bangenden und leidenden Frauen der Matrosen im Mittelpunkt, allen voran Mikhails Frau Tanya (Léa Seydoux). Sie alle durchleben nicht nur den schlimmsten Alptraum ihres Lebens, ihnen werden aus obskuren Gründen der Geheimhaltung auch alle wichtigen Informationen vorenthalten. Über das Schicksal ihrer Männer wird kein Wort verloren. So verwandelt sich die anfängliche Furcht und Ohnmacht immer mehr in Wut und Empörung.

Eingefangen mit einer nervösen Kamera, die die innere Unruhe und den sich steigernden Wahnsinn in stark naturalistische Bilder umsetzt, ist Vinterberg ganz dicht an seinen Filmen wie „Das Fest“ oder „Die Kommune“, die wie auch „Kursk“ als Dokumente des Scheiterns gelesen werden können. Und 100 Meter unter der Wasseroberfläche wird für Mikhail und seine Kameraden die Zeit knapp. Sie tauchen bis zur Atemnot nach Sauerstoffkapseln, während das Wasser unaufhörlich steigt. Nur die Klopfzeichen, die die Eingeschlossenen mit ihrem Hammer abgeben, bleiben bis zum Schluss ein Symbol der Hoffnung. Die Rettungsmaßnahmen aber scheitern immer wieder. Dennoch lehnt die russische Regierung jede angebotene Hilfe von außen strikt ab.

Es ist eine Geschichte der Wut und Ohnmacht, der Empörung und Verzweiflung, die Vinterberg erzählt, der darauf verzichtet hat, aus „Kursk“ ein politisches Drama zu machen. Der Regisseur hatte etwas Elementareres im Sinn, „eine Geschichte über Leben und Tod“, wie er in einem Interview erzählte. So beginnt „Kursk“ mit einem Hochzeitsfest, mit einem Fest unter Wasser steuert der Film auch auf sein Ende zu. Mikhail und seine Männer feiern im Angesicht des Todes das letzte Abendmahl. Immerhin mit viel Wodka.

Kursk, Norwegen 2018, von Thomas Vinterberg, mit Léa Seydoux, Colin Firth, Max von Sydow, 117 Min.

(dpa)
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