Kinofilm „Hot Air“: Ein Mann erklärt die Welt

Kinofilm „Hot Air“ : Ein Mann erklärt die Welt

In „Hot Air“ geht es um einen Moderator, dessen Gewissheiten ins Wanken geraten.

(dpa) Er rückt noch einmal das US-Fähnchen am Revers seines Jackets gerade, dann marschiert Radio-Moderator Lionel Macomb (Steve Coogan) mit seiner Entourage ins Studio ein und nimmt hinter dem Mikrofon Platz. Millionen von Fans warten bereits auf seine Tiraden.

In seiner Radiosendung schießt er seine Giftpfeile ab: Von der Trump-Mauer halte er nicht viel, sagt Macomb. Er schlägt stattdessen einen großen Graben mit reichlich Stacheldraht vor. Abgrenzung findet er schließlich gut.

Es wäre einfach, diesen Moderator als populistischen Hardliner und verbalen Brandstifter abzustempeln. Aber ganz so schlicht ist die Wahrheit nicht. In einer grandiosen Rede über den Untergang des amerikanischen Traums liest er seinen Landsleuten ordentlich die Leviten: „Ihr wählt einen geistesgestörten Betrüger, nur um zu sehen, was passiert“, sagt er. Einen Namen nennt er allerdings nicht.

Der britische Schauspieler Steve Coogan ist geübt als polarisierender Radiomoderator. Seit bald drei Dekaden verkörpert er den fiktiven Moderator Alan Partridge in Fernsehserien, einem Kinofilm und in Comedy-Shows. Insofern ist die Rolle wie gemacht für ihn.

In Frank Coracis sanftem Drama „Hot Air“, das auch durch seine komödiantischen Untertöne und brillanten Dialoge punktet, geht es um die unheilvolle Macht der Worte in einer zerrissenen Welt. Und es geht um Lionel Macomb: Wer ist dieser selbstverliebte Mann? In seiner Radio-Sendung will er den „wütenden, armen und kauernden Massen“ eine Stimme geben, sagt er, aber in Wirklichkeit ist er ein knallharter Zyniker, der sich in einer als grausam und gleichgültig empfunden Welt einen eisernen Panzer zugelegt hat, um all das Elend zu ertragen.

Dann jedoch gerät seine fest gezirkelte Welt ins Wanken. Regelmäßig finden gegen ihn Proteste vor dem Studio statt. Noch größeres Ungemach droht ihm aber durch seinen ehemaligen Zögling Gareth Whitley (Skylar Astin), der Harmonie statt Hass predigt – aber doch nur alten Wein in neuen Schläuchen verhökert.

Und da ist noch Lionels sechzehnjährige Nichte Tess (großartig: Taylor Russell), die unverhofft in das Leben von Lionel Macomb tritt und es ordentlich durcheinanderwirbelt. Der Panzer des egozentrischen Zynikers bekommt schnell erste Risse.

Hot Air, USA 2019, von Frank Coraci, mit Steve Coogan, Taylor Russell, Neve Campbell, Skylar Astin, 103 Minuten

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