"Jurassic World 2"-Kritik: Dinos sind nicht immer süß

"Jurassic World 2“ im Kino: Dinos sind nicht immer süß

Der T-Rex ist zurück: Ab Donnerstag ist „Jurassic World 2“ im Kino zu sehen, der erneute Aufguss des 90er-Jahre-Blockbusters. Ob sich ein Ausflug ins Dinoland lohnt, erfahren Sie in unserer Kinokritik.

Die Fortsetzung von "Jurassic World" ist sicher kein großer Film geworden, bietet aber kurzweiliges digitales Effektgewitter.

In Sachen Nachhaltigkeit hat Hollywood in den letzten Jahren die Nase vorn. Geradezu vorbildlich bedient man sich hier in der gelben Tonne der Filmgeschichte, recycelt Bekanntes und Bewährtes aus vergangenen Jahrzehnten und hofft auf die Wiederholbarkeit von Kassenerfolgen aus den 1970er, 80er und 90er Jahren. Mit einfachen Remakes gibt man sich dabei längst nicht mehr zufrieden. Es muss schon ein mächtiger Relaunch mit seriellen Nachfolgeoptionen sein. Die neue Star-Wars-Generation mit jährlichen Fortsetzungen und Spin Offs gibt hier als Vorbild den kommerziellen Ton an.

Vor drei Jahren wurde Steven Spielbergs "Jurassic Park" aus dem Jahre 1993 in die Wiederverwertungsmühle eingespeist. Anders als "Star Wars" verfügte das Dinosaurier-Spektakel nicht über ein hoch diversifiziertes Figurenpersonal und lebte vornehmlich von der zerstörerischen Kraft der Riesenechsen. Dennoch haben die Dinos - im Gegensatz zu ihrem tatsächlichen naturhistorischen Schicksal - in der Popkultur ihren Status als unkaputtbares Faszinosum tapfer verteidigt.

Die Spielwarenabteilungen sind seit Jahrzehnten voll mit prähistorischen Reptilien im Gummitierformat, und der Tyrannosaurus Rex rangiert in der Monster-Nahrungskette der Kinderzimmer immer noch ganz weit oben. Auf solch fruchtbarem Boden gedieh dann auch 2015 "Jurassic World" mit einem weltweiten Einpielergebnis von über 1,6 Milliarden Dollar ganz prächtig und des Relaunches zweiter Teil kommt nun als leicht konsumierbares Sommerspektakel in die Kinos. Vor drei Jahren hatten genetisch manipulierte Saurier den eigens für sie eingerichteten Vergnügungspark auf einer Insel vor der Küste Costa Ricas recht eindrucksvoll zerlegt. Nun wird das hochgesicherte Dino-Biotop von einem Vulkanausbruch heimgesucht und im Gegensatz zur US-Regierung setzt sich die Tierschutzaktivistin Claire (Bryce Dalls Howard) für die Rettung der genetisch mutierten Arten ein. Unverhoffte Unterstützung bekommt sie dabei von dem schwerreichen Dino-Forscher Benjamin Lockwood (James Cromwell), der für die Reptilien ein Reservat fernab der Menschheit einrichten will.

Gemeinsam mit ihrem künftigen Ex-Lover Owen (Chris Pratt), der paläontologischen Veterinärin Zia (Daniella Pineda) und dem Computer-Bübchen Franklin (Justice Smith) macht sie sich auf zur von Lava-Bächen durchfurchten Insel. Aber schon bald stellt sich heraus, dass Franklins Geschäftsführer Mills (Rafe Spall) die Tiere nicht retten, sondern zur genetischen Kriegsführung meistbietend an dubiose Finstermänner verkaufen will. Damit nicht genug hat das Unternehmen im Keller einen Super-Dino zu einer fernsteuerbaren Mordwaffe herangezüchtet. Tierbefreiung und Menschheitsrettung stehen gleichermaßen auf der Agenda des nach Hautfarbe und Geschlecht paritätisch besetzten Heldenquartetts, wobei die Riesenechsen die guten Absichten ihrer Retter nicht immer zu erkennen geneigt sind.

Immerhin wird hier die Gefahr, die von den Tieren ausgeht, seitens der Gutmenschen nicht mit Aggression und Vernichtung begegnet, und auch vor den Folgen der Gen-Technologie darf Jeff Goldblum in zwei minutenkurzen Gastauftritten eindringlich warnen. Aber damit ist dann auch schon genug mit Subtext. Auch dieser Film bleibt dem Jurassic-Geist treu und stellt das Spektakel ins Zentrum des narrativen Interesses: Weit aufgerissene Reptiliengebisse im Breitwandformat, jede Menge Weggerenne vor herannahenden Riesenviechern und ein paar Bösewichte, die eindrucksvoll an die Digitalmonster verfüttert werden.

Die Schauwerte von der Festplatte stimmen zwar, aber die ohnehin eher bescheidenen Leistungen der Humanbelegschaft verschwimmen zunehmend im Effektgewitter. Chris Pratt gibt wieder einmal routiniert den schlagkräftigen Abenteurer und Bryce Dallas Howard scheint mehr um die Makellosigkeit ihres Make Ups besorgt als um die herannahenden Gefahren. Für jüngere Zuschauer bietet der Film hinreichende Traumatisierungsmöglichkeiten.

Dazu gehört etwa die Verfolgungsjagd, in der ein Kind von schnappenden Dinos in die Enge getrieben wird, was den Willen der Filmemacher dokumentiert, oberflächliche Spannungsmomente um jeden Preis generieren zu wollen. Die Freigabe ab zwölf Jahren sollte hier auf jeden Fall ernst genommen werden.

Jurassic World: Das verlorene Königreich, USA 2018 - Regie: J.A. Bayona, mit Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Rafe Spall, 128 Min.

(RP)