Film-Kritiken: Jungfrau (40), männlich, sucht: Sex mit Oma

Film-Kritiken : Jungfrau (40), männlich, sucht: Sex mit Oma

Ein Mann, der mit 40 noch nicht vergeben ist oder zumindest schon jede Menge Frauengeschichten hatte? Komisch! "Der ist doch schwul" munkeln die einen, "Nachhelfen!" fordern die anderen. In der Komödie "Jungfrau (40) , männlich, sucht" hat es Andy nicht leicht: Da warten bestellte Huren, Speed-Datings und andere Kuppel-Versuche.

Es war einmal eine Zeit, in der männliche Singles Junggesellen genannt und wegen ihres von keiner Frauenhand geordneten Lebens bemitleidet wurden. Der 40-jährige Andy dagegen hat in seinem hausfrauenlosen Dasein Fähigkeiten entwickelt, die ihn autonom machen: Er putzt selbst, kocht selbst, ist sich seine eigene Mutter. Dem entsprechend kleidet sich der alte Junge im Stil eines braven College-Schülers, lagert in seiner Wohnung penibel sortierte Actionfiguren und vertreibt sich die Freizeit mit Computerspielen. Seine Morgenlatte nimmt Mr. Unscheinbar, der nach einer Hand voll traumatischer Begegnungen mit offensiven Frauen aus dem Beziehungsgeschäft ausgestiegen ist, so ungerührt hin wie einen Dauerschnupfen.

Der selbstgenügsame Softie ist ein Mann ohne schlechte Eigenschaften, und deshalb geben seine normal chaotischen Kollegen aus dem Fachgeschäft für Elektronik keine Ruhe: Andy muss an die Frau gebracht werden - koste es, was es wolle.

Eine unorthodoxe Komödie über Sex und Liebe

Schon wegen des doofen deutschen Titels erwartet man nichts Gutes von diesem Paarungs-Film. Zumal das Handlungsschema dasselbe ist wie bei jenen hormongetriebenen Teenie-Klamotten, die sich um das Wann, Wie und ein bisschen auch um das "mit wem eigentlich?" der Entjungferung drehen. Umso schöner ist deshalb, wie der in den USA unerwartet erfolgreiche Debütfilm die Erwartungen enttäuscht. Denn den rabiaten Zoten und Obszönitäten stehen ebenso viel geistreich-frivole Witze gegenüber.

Der Humor dieser Sex- und Sittenkomödie speist sich vor allem aus exakten Milieubeobachtungen und originellen Charakteren. Schauspieler Steve Carell, der sich die Rolle des Andy auf den Leib geschrieben hat, erinnert mal an Buster Keaton, mal an einen Ben Stiller, der zwei Gänge heruntergeschaltet hat. Statt als verklemmter Spießer geht Andy ohne weiteres als netter Exzentriker und stiller Nonkonformist durch, der im Auto verrückten Amerika nur Fahrrad fährt. Gott, wie süß: dass Frauen, anstatt auf Macho-Allüren zu stehen, von dem Greenhorn gar angetörnt werden, sollte überdies für amüsanten Erkenntnisgewinn sorgen.

Eine willkommene Irritation ist zudem, dass eine Großmutter das Rennen macht. Als Andys Herzblatt Trish entfaltet die ungeglättete und -silikonisierte Schauspielerin Catherine Keener ihren bekannten rauen Charme. Trish ist mehrfache Mutter und gar Oma, womit der heimliche Auftrag jeder Mainstream-Liebeskomödie - "seid fruchtbar und mehret euch" - elegant umgangen wird. Angesichts so viel unorthodoxer Elemente ist dann umso ärgerlicher, wie im letzten Drittel das leichtlebige Geplänkel angestrengt auf Moral getrimmt wird. Hollywood erlaubt Andy keinen einzigen Quickie - und hebt seine Tugend tatsächlich bis in die Hochzeitsnacht auf.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Jungfrau (40), männlich, sucht

(ap)
Mehr von RP ONLINE