"Wir sind die Neuen" im Kino: Junge Spießer gegen alte Freigeister

"Wir sind die Neuen" im Kino : Junge Spießer gegen alte Freigeister

Der Generationenfilm "Wir sind die Neuen" porträtiert zwei Wohngemeinschaften. Letztlich stellt sich bei der Komödie heraus, dass die Alten wilder leben.

Mit 60 noch mal mit den Mitbewohnern aus Studienzeiten zusammenziehen? Für die einen wäre das wohl der blanke Horror, für wieder andere ein lustiges Experiment. Genau das wagen Gisela Schneeberger, Michael Wittenborn und Heiner Lauterbach in "Wir sind die Neuen". Denn von der Wiedervereinigung ihrer alten Studenten-WG erhoffen sie sich nicht nur günstiges Wohnen, sondern auch mehr Spaß. In der Praxis sieht das etwas anders aus - vor allem wegen der echten Studenten-WG im Stockwerk darüber. Regisseur Ralf Westhoff ("Shoppen", "Der letzte schöne Herbsttag") beleuchtet in dem Film sensibel und zugleich humorvoll den Konflikt zweier Generationen.

"Die müssen schnell merken, dass wir keine Spießer sind", sagt Anne (Schneeberger) noch beim Einzug. Genau das ist das Problem: Die Spießer sind nämlich die anderen. Tatsächlich steht den Studenten - im Gegensatz zu der Alten-WG - keineswegs der Sinn nach durchzechten Nächten und lauter Musik. "Wir stehen kurz vor dem Examen", sagt Katharina. "Es ist einfach eine total sensible Zeit gerade."

Nachts heimkehrende Alte im Treppenhaus? Weinselige Diskussionen am Küchentisch? Quittieren sie mit vorwurfsvollem Klopfen und Beschwerdebesuchen auf der Türschwelle - und halten den Studenten von damals erbarmungslos den Spiegel vor. "Arm sein kann ja ganz romantisch sein, wenn man jung ist. Aber wenn man alt ist, ist es einfach nur bitter", kommentieren die jungen Nachbarn, die sich von Mama und Papa finanzieren lassen.

Ralf Westhoff zeigt mit seinem dritten Spielfilm erneut sein Talent für pointierte Dialoge und den schonungslosen Blick auf Beziehungen. Zugleich behandelt er eine ganze Bandbreite gesellschaftlicher Themen - von Altersarmut, Generationenkonflikten und Mietpreisexplosionen in Großstädten bis hin zur heutigen Leistungsgesellschaft.

Das Blatt wendet sich, als ausgerechnet der junge Nachbar Thorsten wegen Rückenproblemen ins Krankenhaus muss, Katharina durch ihr Jura-Examen zu rasseln droht und Barbara Ärger mit ihrem Verlobten hat. Zu allem Überfluss steht auch noch die monatliche Finanzspritze der Eltern aus. Helfen können da letztlich nur die Alten, die mittlerweile selbst gemerkt haben, dass die glorreichen Zeiten von damals nicht immer ganz so harmonisch waren.

Heiner Lauterbach überzeugt dabei in der Rolle des in die Jahre gekommenen Frauenhelden Eddi, der der jungen Studentin Barbara Tipps in Liebesdingen gibt. Und auch Gisela Schneeberger verkörpert die Biologin, die mit Beobachten von Eulen nie wirklich Geld verdient hat, durchaus glaubwürdig.

"Wir sind die Neuen" ist eine warmherzige Generationenkomödie, die trotz ihrer Leichtigkeit zum Nachdenken anregt. Regisseur Westhoff selbst könnte sich im Übrigen zwar durchaus vorstellen, noch einmal in einer WG zu leben, wie er in einem Interview verriet. "Aber wenn ich es mir wünschen darf, dann lieber zu zweit mit meiner Partnerin."

Wertung: 4/5

(dpa)