Märchenfilm "Spieglein, Spieglein": Julia Roberts mal böse

Märchenfilm "Spieglein, Spieglein" : Julia Roberts mal böse

Die böse Königin ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Die Brüder Grimm entwarfen sie 1812 als Herrscherin mit Jugendwahn, Disney stilisierte sie im Klassiker von 1937 zum bleichen Vamp. Diese hier aber strahlt wie Pretty Woman und sieht aus wie Julia Roberts. Eine Hexe, so zauberhaft, dass es irgendwie nicht passt.

Nun nimmt eine Julia Roberts auch mit 45 keine Nebenrollen an. Und schon gar nicht wird eine andere die Schönste im ganzen Land. So beginnt der Film mit einer glamourösen Diva, die vom Thron aus charmant den Hofstaat herumschubst. Daneben kann Phil Collins' Tochter Lily Collins mit ihrem vergleichsweise schlichten Schneewittchen-Ebenholz gar nicht so recht punkten. Trotzdem — der Spiegel ist schuld — landet sie im düsteren Wald, wo sie sieben Zwerge trifft. Und den Prinzen, den eigentlich die Königin will.

Die Markenzeichen von "The Cell"-Regisseur Tarsem Singh sind Fantasy-Kulissen und schwache Drehbücher. In diesem Fall rettet den Ästheten das berühmte Märchen. So kann man die Kostüm- und Farborgien genießen, ohne sich an zähen Szenen zu stören.

Familentauglich mit schwachem Drehbuch

Für familientauglichen Slapstick sorgen die Zwerge, Actionhelden im Miniformat, aber am komischsten ist ausgerechnet der Prinz, in dessen weißer Zahnreihe schon mal ironisch ein Sternchen aufblitzt. Schneewittchen jedenfalls, um das es hier ja eigentlich geht, bekommt am Ende seine 15 Minuten. Da darf es fechten, Julia Roberts den Apfel um die Ohren hauen, den Prinzen küssen, eine hinreißende Bollywood-Einlage tanzen und überhaupt mal ein bisschen glänzen.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

(RP)
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