Sängerin in "Parker" neben Jason Statham: Jennifer Lopez verführt den Gangster

Sängerin in "Parker" neben Jason Statham : Jennifer Lopez verführt den Gangster

Popstar Jennifer Lopez füllt Konzerthallen weltweit - doch ihre Leidenschaft für die Schauspielerei hat sie nicht aufgegeben. An der Seite von Actionheld Jason Statham ist JLo jetzt in "Parker" zu sehen.

Wenn Literaturkritiker einen Autor für sein "filmisches Erzählen" rühmen, klingt das wie eine Warnung: Die Verwandlung in einen guten Film erweist sich regelmäßig als besonders schwierig. Bei Donald E. Westlake werden speziell jene 24 Romane für ihr filmisches Erzählen gerühmt, die um seine Gangsterfigur "Parker" kreisen. Er veröffentlichte sie stets unter dem Pseudonym Richard Stark, und das Wort "Stark" (für steif und sachlich, rein und stur) steht für das stilistische Konzept dieser knappen Romane wie für die Hauptfigur: "Parker" ist ein Mann ohne Vornamen und ohne Vorleben, der sich unermüdlich großen Raubüberfällen widmet und sie stets nur knapp überlebt.

Westlake hat die Filmrechte für viele seiner Romane verkauft, doch wenn es um einen Roman "von Richard Stark" ging, verweigerte er der Filmfigur konsequent den Namen Parker. Entsprechend groß waren die Erwartungen bei der großen Gemeinde von Westlake-Fans beiderseits des Atlantiks, als nun nach dem Tod des Autors zum ersten Mal Parker unter seinem eigenen Namen in die Kinos einziehen durfte.

Zumal es vor Jahrzehnten immerhin zweimal gelungen ist, Parker stilgerecht umzusetzen: 1967 in John Boormans "Point Blank" mit Lee Marvin und 1973 in John Flynns "The Outfit" ("Revolte in der Unterwelt") mit Robert Duvall. Beide Filme basieren auf dem gleichen Handlungsmuster wie nun der erste "Parker" unter eigenem Namen: Der Einzelgänger lässt sich auf einen Coup mit unzuverlässigen Partnern ein, wird um seinen Anteil betrogen und holt sie sich zurück in einem blutigen Rachefeldzug. "Point Blank" und "The Outfit" zeigten die düstere Welt eines Berufskriminellen, der alle Gegner besiegt und dann wieder in freudloser Einsamkeit verschwindet. Soviel Düsternis wollten die Produzenten des neuen "Parker" ihrem Publikum nicht zumuten. Weil sie sich aber so unermüdlich um malerische Schauplätze, spektakuläre Kampfszenen und erotische Zutaten bemühen, gerät ihr "Parker" zu einem flachen Actionfilm, der die Konsequenz der Parker-Romane verfehlt.

Dabei hätte Westlake alias Richard Stark an der Besetzung der Hauptfigur seine Freude gehabt: Der Engländer Jason Statham, mit "The Expendables" in die erste Riege von Hollywoods Action-Stars aufgestiegen, wirkt mit dem sehnigen Körper eines langjährigen Leistungssportlers, dem rasierten Schädel und dem unter stetiger, mühsam kontrollierter Hochspannung zusammengepressten Mund wie eine ideale Verkörperung des unermüdlichen Parker. Und Jennifer Lopez darf wieder einmal zeigen, dass sie schauspielern kann und warum sie noch 2011, als 42-Jährige, vom "People"-Magazin zur "schönsten Frau der Welt" ernannt wurde — eines mühsam eingebauten Striptease hätte es gar nicht bedurft.

Doch wenn "J.Lo" auftaucht, endet schon der stimmigste Teil des Films. Der Raub der Wochenend-Einnahmen auf einem Volksfest in Ohio wird so knapp und genau gezeigt, als hätte Westlake alias Stark selbst Regie geführt. Sobald Parker, von seinen Partnern niedergeschossen und vermeintlich tot zurückgelassen, zur Verfolgung der Betrüger aufbricht, häufen sich touristische Abschweifungen — erst nach New Orleans, dann nach Palm Beach. Dort darf J.Lo als Immobilien-Maklerin den als Öl-Millionär auftretenden Parker allzu ausgiebig durch die schönsten Villenviertel Floridas führen. Ihren Klienten durchschaut sie schnell.

Das erotische Geplänkel zwischen den beiden funktioniert gut. Doch dieser Parker ist, ganz anders als in Richard Starks Romanen, ein Ausbund an Tugendhaftigkeit. Er will seiner Verlobten nicht untreu werden, braucht Ratschläge von einem listigen Schwiegervater (Nick Nolte) und während er mit seinen Gegnern abrechnet, spricht er ständig von seinen moralischen Prinzipien.

(RP/sap)
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