Biopic "Crazy Heart" — das Leben des Countrysängers Bad Blake: Jeff Bridges empfiehlt sich für den Oscar

Biopic "Crazy Heart" — das Leben des Countrysängers Bad Blake: Jeff Bridges empfiehlt sich für den Oscar

(RP). Als Filme noch wie am Fließband produziert wurden, im Hollywood der frühen Tonfilmzeit, da wurden die meisten Drehbücher nicht geschrieben, sondern recycelt. Ein Drama aus dem Fischermilieu wurde einfach unter Fernfahrern angesiedelt oder aus Cowboys Matrosen gemacht; die Handlung war immer dieselbe, ohne dass die Zuschauer etwas merkten.

Heute wird derartige Fließbandproduktion dem Fernsehen überlassen; das Kinopublikum erwartet Originalität. Da fällt es dann besonders auf, wenn genau ein Jahr nach "The Wrestler", mit dem sich Mickey Rourke um einen Oscar bewarb, dieselbe Geschichte unter dem Titel "Crazy Heart" angeboten wird.

Diesmal ist es der 60-jährige Jeff Bridges, der endlich mit einem Preis rechnen darf, und damit die Parallelen nicht zu sehr auffallen, verkörpert er keinen Wrestler, sondern den Countrysänger Bad Blake, der in einem Bowlingcenter für die Hintergrundmusik sorgt. Auch dieser Mann hat bessere Tage gesehen. Der Wrestler bemühte sich um erneuten Kontakt zu seiner Tochter; bei Bad Blake ist es ein Sohn.

Der Wrestler freundete sich mit einer Stripperin an; in "Crazy Heart" wurde aus dieser Figur die Musikjournalistin Jean. Für "The Wrestler" erhielt Marisa Tomei eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin; für "Crazy Heart" wurde in derselben Kategorie Maggie Gyllenhaal nominiert. Als würden diese Parallelen nicht ausreichen, erleidet Bad Blake wie der Wrestler ebenfalls einen Herzinfarkt.

So weit, so schlimm, so abgedroschen. Das Erfreuliche an "Crazy Heart" ist, dass dieser Film einer abgenutzten Situation neue Seiten abgewinnt. Noch nie ist der Alltag eines Countrysängers so detailversessen wiedergegeben worden. Regisseur Scott Cooper beschreibt liebevoll das jeweilige Umfeld, in dem Bad Blake landet: mal ist das eine Bar, in der er vor betrunkenen Gästen singt, und am Ende ein Stadion. Jeff Bridges ist ergreifend, gerade weil er seinem Affen keinen Zucker gibt. Er hat sich keine dicke Wampe angefressen, er zuckt nicht, weint nicht, übergibt sich nur selten.

"Crazy Heart" ist keiner jener penetranten Oscar-Anwärter-Filme, mit denen Schauspieler sich anbiedern. Obwohl er nach vier vergeblichen Nominierungen für die Auszeichnung fällig ist, bleibt Bridges locker und lässt seinen Mitspielern viel Raum: Robert Duvall ist sein väterlicher Freund, Colin Farrell ein jüngerer, erfolgreicherer Sänger, für den Bad Blake die Texte schreibt. Der Stoff verlockt zum Selbstmitleid. Der fertige Film bringt einfach nur Liebe zur Musik und den Menschen zum Ausdruck.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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(RP)