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"Enemy" mit Jake Gyllenhaal im Kino: Intensives Kinorätsel

"Enemy" mit Jake Gyllenhaal im Kino : Intensives Kinorätsel

In dem grandiosen Thriller "Enemy" spielt Jake Gyllenhaal einen Mann, der in einem Film sein Ebenbild entdeckt. Bitte anschauen.

Wenn ein Kinofilm voller Symbole, Andeutungen und Mehrdeutigkeiten steckt, die der Zuschauer kaum zu entschlüsseln weiß, ist das Werk entweder komplett missglückt oder derartig intensiv, dass es den Zuschauer nicht mehr los lässt. Denis Villeneuves "Enemy" gehört definitiv zu der zweiten Kategorie, die des betörenden Kino-Rätsels, das seine Faszination aus der beklemmend-ästhetischen Inszenierung, dem großartigen Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal und einer ebenso großartigen Romanvorlage - José Saramagos "Der Doppelgänger" - verdankt.

Adam (Gyllenhaal) bewegt sich durch sein Leben wie in einem lethargischen Traum. Er scheint durch seine Studenten durchzuschauen, seine Vorlesungen abzuspulen, seine triste, schlichte Wohnung ebenso wenig wahrzunehmen wie seine Freundin Mary (Mélanie Laurent), mit der er ab und zu aggressiven Sex hat, sonst aber keine empathische Beziehung. Zu letzterer scheint er gar nicht in der Lage. Wie in einem diffusen Traum erscheint auch das Toronto, in dem der seltsam unbeholfene, aus dem Hier und Jetzt entrückte Adam lebt - immer von einem flimmernden Dunst überzogen. Sind dieses Leben, die Stadt Realität oder Imagination?

Auf die Empfehlung eines Uni-Kollegen leiht sich der Geschichtsprofessor einen alten Film aus. Darin entdeckt er in einer Nebenrolle sein absolutes Ebenbild. Adam macht sich auf die Suche nach diesem Schauspieler, der sich Daniel Saint Claire nennt, eigentlich aber Anthony Claire heißt.

Völlig verstört versucht Adam Kontakt zu dem selbstverliebten und selbstgefälligen Anthony (ebenfalls von Gyllenhaal gespielt) aufzunehmen, dem Mann mit gleichem Aussehen und wie sich später herausstellt gleicher Narbe auf der Brust. Adams Mutter (irritierend kühl und ebenfalls rätselhaft gespielt von Isabella Rossellini) schließt jegliche Zwillingsüberlegungen aus, was zu einer weiteren verstörenden Ambivalenz führt. Nach langem Zögern lassen sich die Männer auf ein gefährliches Spiel um Identität, Sex und Macht ein.

"Enemy" ist so betörend wie beklemmend und damit absolut fantastisch.

(RP)