So grün wie nie: Incredible Hulk - Flop ausgeschlossen

So grün wie nie : Incredible Hulk - Flop ausgeschlossen

Frankfurt/Main (RPO). Er ist grün, groß und äußerst übellaunig: "Der unglaubliche Hulk" ist Donnerstag im Kino zu sehen. Er ist ein Wut getriebenes Wesen. Gekonnt gepiesackt schlägt Hulk alles kurz und klein. Und doch hat der Zuschauer Hulk schnell in sein Herz geschlossen.

Im Gegensatz zu Iron Man, X-Men & Co. hat Hulk bisher auf der Leinwand keine gute Figur gemacht. Die neu gegründeten Marvel-Studios, die mit dem Erstling "Iron Man" kürzlich einen Kassenknüller landeten, kümmern sich nun selbst um ihren Wüterich.

Nach der erfolglosen ersten "Hulk"-Verfilmung im Jahr 2003 von Ang Lee wird nun das Personal vollständig ausgewechselt. Das neue Spektakel setzt Zuschauerwissen voraus und gewährt lediglich einen Kurzabriss von Hulks Vorgeschichte. Bekanntlich ist Hulk im Grunde ein ganz Lieber: Wissenschaftler Bruce Banner, der bei einem Selbstexperiment zu viele Strahlen abbekommen hat und sich deshalb ab und an zum unkontrollierbaren Zornickel mit Wrestling-Figur aufbläst.

Auf der Flucht vor General Ross, der Bruce' Monsterkräfte fürs Militär einsetzen will, ist er in Brasilien untergetaucht. Ross setzt Elitesoldat Blonsky auf Bruce' Spur. Der machtgierige Blonsky unterwirft sich freiwillig dem biochemischen Doping und mutiert zum "Abomination"-Unhold.

Der Franzose Louis Leterrier, der sich mit knackigen Actionstreifen wie "Entfesselt" als Regisseur empfahl, lässt es ordentlich krachen und setzt zugleich auf Charakterdarsteller. Mit seiner mätzchenfreien Regie trifft er den Geist der Vorlage besser als Ang Lee, der in seinem "Actionfilm für den denkenden Mann" mit Eric Bana einen allzu melancholischen Schönling ins Zentrum stellte und tief in dessen Unbewussten wühlte.

Mit Filmkunst hat Leterrier dagegen nichts im Sinn, beweist aber ein Händchen für spannende Schauplätze. So spielt das atmosphärische erste Filmdrittel in einer brasilianischen Favela, wo Bruce inkognito in einer Limonadenfabrik arbeitet und auf der Flucht vor Ross' Schergen durch ein Labyrinth von Gassen hetzt.

Mit Yoga gegen das innere Monster

Edward Norton, der umso charismatischer wirkt, je unscheinbarer er sich gibt, spielt als doppelgesichtiger Antiheld eine ähnliche Rolle wie in seinem Welterfolg "Fight Club". Während er als Softie Bruce zum Stressabbau Yoga betreibt und das Gedöns mit einer großen Dosis waidwunder Blicke versieht, gibt Tim Roth, ebenfalls ein blasser Hänfling, den cholerischen Giftnickel, der sich wie ein Pitbull in den Hulk verbeißt.

Apropos: Die einzige Frau im Spiel, Bruce' nette Ex-Freundin Betty, hat kaum mehr zu tun, als dem ausrastenden Hulk mit "Stop" und "It's okay!" quasi das "Sitz!"-Kommando zu geben. Ansonsten - das kann Liz Tyler am besten - reißt sie groß die blauen Augen auf.

Bei Bruce' Flucht in die USA kommt etwas Alltagskomik zum Tragen - so verwirft er zum Beispiel eine Fahrt in der New Yorker U-Bahn aus Angst vor Gedrängel - doch der Ton ist insgesamt so ironiefrei wie die Comics. Nach dem ersten Drittel liefert der Film zügig das erwartete Kawumm ab. Doch auch hier erweist sich wie im ersten "Hulk" die Computeranimation, die nie die Authentizität menschlicher Darsteller wie etwa beim Spider-Man erreicht, als Achillesferse des Spektakels: Der Trick-"Hulk" ist nicht besonders fotogen.

Und der schlussendliche Kampf der Titanen, bei dem der Keim der Fortsetzung gelegt wird, wirkt wie eine Pflichtübung. Nichts wird schneller fad als Monster aus dem Rechner, die durch New York randalieren - ob sie nun Godzilla, King Kong oder Hulk heißen, ist dem Zuschauer irgendwann wurscht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Szenen aus "Der unglaubliche Hulk"

(ap)