Filmkritik: Horst Buchholz - Mein Papa: Pascha Hotte

Filmkritik : Horst Buchholz - Mein Papa: Pascha Hotte

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere traf er fatale Fehlentscheidungen, lehnte Drehangebote von Visconti, Fellini und Kazan ab. Dennoch zählt Schauspieler Horst Buchholz zu den wenigen deutschen Weltstars des 20. Jahrhunderts. Ein Dokumentarfilm seines Sohnes zeichnet nun ein sehr persönliches Bild des einstigen Kino-Idols.

Am Ende seines Lebens war Horst Buchholz gesundheitlich und seelisch ein Wrack. Unerbittlich nah rückt die Kamera das vom Verfall gezeichnete Gesicht des einstigen Weltstars ins Bild. Der Betrachter fragt sich erschrocken, ob das wirklich einmal jener Schauspieler war, der in den 50er Jahren zum deutschen Kino-Idol aufstieg und auch im Ausland ein gefragter Star wurde.

Es ist Buchholz-Sohn Christopher, der sich mit seiner am 22. September in die Kinos kommenden Dokumentation "Horst Buchholz - Mein Papa" auf die Spuren des Mannes begibt, dem einmal die Welt zu Füßen lag. Es wird schnell klar, wie schwer der 1962 geborene Sohn an diesem so ungewöhnlichen Vater trägt. Mit dem 90-minütigen Dokumentarfilm, der zusammen mit der Augsburger Regisseurin und Cutterin Sandra Hacker produziert wurde, versucht Christopher Buchholz, seine Trauer um den im März 2004 Gestorbenen zu bewältigen. Er versucht aber auch, sich von der Last zu befreien, einen solch berühmten Erzeuger gehabt zu haben. Denn der Sohn ist ebenfalls Schauspieler, dazu Theater- und Filmregisseur.

Doch zu dem Rang, den der Vater einst hatte, wird Christopher nie gelangen. Vielleicht deshalb bringt er sich in dieser teilweise sehr anrührenden Spurensuche etwas zu oft und zu groß selbst ins Bild. Das sei ihm aber schon deshalb nachgesehen, weil er den Mann, den die Berliner bis zuletzt "Hotte" nannten, gewiss geachtet und geliebt hat. Private Filme der Familie zeigen einen rührend besorgten Vater, der mit seinen beiden Kindern vergnügt herumtollt. So hat die Welt Horst Buchholz noch nicht gesehen. Und das dürften viele von dem Filmstar mit vielen Affären und der offen gelebten Bisexualität auch nicht unbedingt vermutet haben.

Eine Studie über Vergänglichkeit von Ruhm und Leben

Die Dokumentation mit etlichen Ausschnitten aus berühmten Buchholz-Filmen wie dem "Hochstapler Felix Krull" bietet allerdings noch eine ganz andere Entdeckung: Es ist die Französin Myriam Bru, die noch immer schöne Witwe des Schauspielers. Wenn sie mit charmantem Akzent und trotz aller Offenheit stets mit Diskretion aus ihrer schwierigen Ehe als "die Frau von die Pascha" erzählt, dann sind das die stärksten Szenen des Films. Die Tochter eines in Auschwitz ermordeten Juden war in jungen Jahren eine begehrte Leinwandschönheit. Bei Dreharbeiten lernte sie den jungenhaften Buchholz kennen, ehemals stolzes Mitglied der Hitler-Jugend.

Die Heirat, von der Filmfirma für die Öffentlichkeit inszeniert, war ein Fiasko. Doch die Ehe währte bis zu seinem Tod. Zwar lebte das Paar schon lange meist getrennt, weil es Buchholz auf seine späten Tage zurück in die Heimatstadt Berlin zog. Doch eine innere Verbindung blieb, die sich auch jetzt noch in der Empörung und Enttäuschung von Myriam Bru darüber äußert, welch große Chancen ihr zu seinen Glanzzeiten sehr selbstverliebter Mann in seiner Karriere ausgeschlagen habe.

Den schon vom Tod gezeichneten Schauspieler scheint das weniger bekümmert zu haben. Er wollte, wie er bekannte, stets ein freier Mann sein. Mit Alkoholismus, Depressionen und Unfällen hat er einen hohen Preis dafür bezahlt. Sohn Christopher, Kettenraucher wie der Vater, verschweigt dieses traurige Ende eines Idols und Vielgeliebten nicht. Sein Abschied vom Vater ist aber zugleich auch die Wiederbegegnung mit einem Schauspieler, dessen strahlende Jugendlichkeit in vielen Filmen konserviert bleibt. "Horst Buchholz - Mein Papa" ist deshalb eine nachdenklich machende Lektion über menschliche Vergänglichkeit.

(ap)