Komödie "Arthur": Helen Mirren glänzt als Gouvernante

Komödie "Arthur" : Helen Mirren glänzt als Gouvernante

Die Komödie "Arthur" ist eine Neuauflage des Klassikers von 1981. Damals spielten Dudley Moore und Liza Minnelli die Hauptrollen in der Geschichte über den reichsten Junggesellen der Welt. Heute sind es Russell Brand und Helen Mirren. Letztere rettet das alberne Werk.

Früher war vieles besser, auch diese Komödie. "Arthur" ist die Neuauflage der gleichnamigen Produktion von 1981, und das war ein sympathischer Film, ein bisschen schräg zwar, aber gut.

Er begann vielversprechend mit einer Kamerafahrt durch die nächtlichen Straßen New Yorks, und dazu wurde dieses wunderbare Lied von Burt Bacharach und Christopher Cross gespielt: "The Best That You Can Do". Kennt jeder, geht so: "If you get caught / Between the moon and New York City / The best that you can do / Is fall in love".

Dudley Moore spielte Arthur Bach, den reichsten Junggesellen der Welt, der in seinem Leben nicht viel mehr gemacht hat als trinken und spielen. Nun soll er heiraten, eine reiche, aber langweilige Frau — andernfalls streicht Papa das Erbe von 750 Millionen Dollar.

Hobson ist jetzt eine Frau

Dudley Moore war 45, als er Arthur spielte, eigentlich viel zu alt, und die Frau, in die er sich verliebte, für die er alles Geld sausen lassen wollte, war Liza Minnelli. Sie war immerhin erst 35, aber bei Liza Minnelli hat man ja stets das Problem, dass es gleich ist, welche Rolle sie spielt — man sieht immer nur Liza Minnelli. Aus der misslichen Ausgangslage ergab sich aber doch ein amüsanter Film, ein großer Jux sogar, und dafür darf sich Regisseur Steve Gordo bei John Gielgud bedanken.

Der britische Schauspieler gab vor 30 Jahren den Butler Hobson, Arthurs Freund und Ersatzvater in einem, und er sprach Sätze wie diese: "Schade, dass sie ein Kind bleiben wollen. Sie würden einen guten Erwachsenen abgeben." Oder, als Arthur sein Erbe zu verlieren droht: "Arthur, Du bist zu reich, um arm zu sein." Gielgud wurde mit dem Oscar für sein Spiel belohnt, und überhaupt waren das große Zeiten für die Gattung Komödie. Im Jahr darauf wurde "Tootsie" mit Dustin Hoffman neun Mal für den Oscar nominiert, ebenfalls ein Klassiker.

Die neue Fassung von "Arthur" fällt sehr gegen das Original ab. Russell Brand übernimmt die Rolle von Dudley Moore, Jennifer Garner ist die patente Frau, die ihm zugeführt wird, Greta Gerwig tritt als ihre liebenswerte Gegenspielerin auf, und Hobson ist hier eine Frau, und zwar Helen Mirren. Die 65-Jährige ist dann auch der einzige Grund, sich das alberne Werk anzusehen. Ihre zurückhaltende, distinguierte, gouvernantenhafte Vorstellung wirkt als Korrektiv zur überdrehten Handlung.

Ein schwebendes Bett

Jason Winer, der vor seinem Kino-Debüt bei Sitcoms Regie führte, sah das Original und fand, man müsse es aktualisieren, an unsere Zeit anpassen. Was dabei herauskam, sagt einiges über die Gegenwart aus, alles ist jetzt noch nöcher. 1981 genügte es, Dudley Moore einen Smoking anzuziehen und ihn im Rolls Royce fahren zu lassen. Man wusste: Der ist verdammt reich. Der neue Arthur lenkt das Auto von Batman und den DeLorean aus "Zurück in die Zukunft", und er hat ein Bett, das schwebt, weil es in einem elektromagnetischen Spannungsfeld gehalten wird.

Es ist alles zu dick aufgetragen, am meisten stört der hibbelige Hauptdarsteller, dessen Unruhe, sein Chargieren. Der englische Comedian Russell Brand ist vor allem für seine Moderationen bekannt, bei MTV etwa, und für seine Hochzeit mit der Sängerin Katy Perry. Gastgeber und Ehemann mag er können, der Job des Hauptdarstellers in einem 110 Minuten langen Kinofilm liegt ihm nicht.

Man gewinnt den Eindruck, dass die übrigen Mitglieder des Ensembles nur deshalb zurückhaltend agieren, weil sie die hysterische Art ihres Hauptdarstellers betreten macht. Brand steigert sich in eine Art der Kindlichkeit, die es völlig unglaubwürdig macht, dass die charmante Reiseleiterin Naomi sich tatsächlich in ihn verlieben könnte. Und dass es Hobson bereits ein Leben lang als Vertrauensperson dieses Kerls ausgehalten hat, ist ebenfalls nicht vorzustellen.

Der Gehrock von Abraham Lincoln

So läuft der Film vor einem ab, ohne zu berühren oder zu erheitern, und man würde lieber noch einmal die alte Fassung sehen. Die Szene, in der Dudley Moore drei Dutzend Pullover kauft, weil er nun seriös werden möchte. Heute wird daraus der sinnlose Beutezug bei einer Versteigerung: ein Löffel für 100.000 Dollar, der Gehrock von Abraham Lincoln für eine Million.

Oder die Anfangssequenz, die zeigen sollte, dass Arthur ein Playboy ist. Im Original betritt Hobson morgens den Raum. Man sieht Dudley Moore mit einer Frau im Bett liegen, hinter dem Kopfende kreist eine Modelleisenbahn um eine gigantische Landschaft aus Tunnels und Bergen. Hobson: "Guten Morgen." Die Frau: "Hi." Hobson: "Ich erwarte mit Ungeduld ihre nächste Silbe." Nichts davon in der Neuauflage. Statt Esprit und Wortwitz bloß Trivialität, technische Protzerei, Kalauer.

Das Original wurde soeben als Blue-ray veröffentlicht. Die DVD bekommt man als Import. Damit ist man besser beraten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Arthur" - ein verwöhnter Bengel wird erwachsen

(RP)