Catherine Deneuve in "Das Schmuckstück": Hausfrau im Klassenkampf

Catherine Deneuve in "Das Schmuckstück" : Hausfrau im Klassenkampf

Düsseldorf (RP). Nie gab es eine ältere Dame, die selbst im roten Trainingsanzug so hoheitsvoll durch Wald und Feld getrabt ist wie Catherine Deneuve zu Beginn des Films "Das Schmuckstück". Das ist der Titel des neuen Films von François Ozon, der am 24. März in die Kinos kommt. Einmal mehr schenkt der produktive Meisterregisseur des französischen Kinos dem Publikum köstliche Unterhaltung.

Das Glück haben nur wenige Schauspieler, dass ihnen nämlich ein Regisseur in der Spätphase ihrer Karriere Rollen gibt, in denen sie mit ihrem Image spielen können und mit den populären Mythen jonglieren dürfen, die über sie in Umlauf sind. Catherine Deneuve (67) und Gérard Depardieu (62) haben nun eine solche Gelegenheit von Francois Ozon bekommen.

Die beiden Darsteller, die bereits in sechs Produktionen zusammenarbeiteten, spielen in "Das Schmuckstück" zwei Menschen aus unterschiedlichen Milieus — er Kommunist, sie Gattin eines Fabrikbesitzers —, aber früher waren sie kurz ein Paar, das war schön und auch etwas frivol damals, und daran erinnern sie sich heute gerne.

Die natürlich stets platonische Beziehung der beiden großen französischen Schauspieler gehört zu den charmantesten Erzählungen des europäischen Kinos, sie begann mit Truffauts "Die letzte Metro" 1980, und es ist alles wie in "Die Schöne und das Biest".

Spaß an der Sache

Die Deneuve war die Muse von Yves Saint-Laurent, sie galt als geheimnisvolle höhere Tochter, und sie kam nur zufällig zum Film, weil ihre 1967 verunglückte Schwester Francoise sie zu Probeaufnahmen überredet hatte.

Depardieu war die Verkörperung des Lustprinzips, der Leib des französischen Kinos. In "Die Ausgebufften" hatte er mitgemacht, eine ziemlich obszöne Angelegenheit, Produkt einer Zeit der Befreiuung. Wenn zwei so verschiedene Menschen zusammenkommen, regt das die Fantasie an, in Frankreich zumal, und beide hatten ihrerseits Spaß an der Sache.

"Waren Sie in Catherine Deneuve verliebt?", wurde Depardieu mehr als einmal gefragt: "Ja natürlich", sagte er. "Aber verliebt in die Liebe, die es geben könnte. Es ist außerordentlich, was das Kino bestimmten Kino-Paaren für ein Verhältnis schenkt. Es ist wunderbar." Deneuve schmunzelte bei dem Thema, "ich wäre gern die Frau, die er ist", sagte sie, und das ist unheimlich charmant.

Ozon drückt fest auf die Farbtube

All das muss man wissen, wenn man "Das Schmuckstück" genießen will. Der Film adaptiert ein Stück vom Boulevard, "Potiche" von Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy. Es geht um eine Industriellen-Ehefrau (Deneuve), die daheim in der Villa sitzt und ihrem Mann, der im Büro seiner Sekretärin in den Po kneift, als Schmuck dient. Wir befinden uns im Jahr 1977, und Francois Ozon drückt fest auf die Farbtube, um das Kolorit der Zeit auf die Leinwand zu bringen.

Der Gatte hat es indes am Herzen, und die Ehefrau muss einspringen, sie beendet das Patriarchat, geht fürsorglich mit den Arbeitern um — ganz im Sinn des Gewerkschafters Maurice Babin (Depardieu). Deneuve und Depardieu arbeiten hier an der Auflösung des uralten Systemkonflikts, und in einer wunderbaren Rückblende zeigt der Film, wie sich die beiden einst trafen und Romantik mit Biologie verbanden.

Diese Menschen zu sehen, wie sie schäkern und andeuten und den Konjunktiv feiern, ist ein Genuss. Sie sind vorgeblich Madame Pujol und Monsieur Babin, aber man sieht doch Deneuve und Depardieu, die zwar nicht aus ihren Rollen fallen, aber ironisieren und zwinkern und den Zeitgenossen im Saal ebenso ansprechen wie den Kinogeher.

Satire auf die Gegenwart

Diese Komödie will das "Tür auf, Tür zu" der Vorlage nicht verhehlen, sie mag es grell und ein bisschen plemplem, und was die vorhersehbare Fabel amüsant macht, ist das Licht, das zwischen den Einzelbildern brennt.

Die Deneuve, die am Ende des Films als befreite Gattin in die Politik geht, um für Gleichheit zu kämpfen, unterschrieb in jenem Jahr, in dem die Handlung spielt, das "Manifest 343", in dem sich 343 Frauen auf Initiative von Simone de Beauvoir dazu bekannten, illegal abgetrieben zu haben.

Das war Zeichen eines beginnenden politischen Wandels, und dass Ozon Deneuves ausbeuterischem Film-Mann Sätze in den Mund legt, die von Nicolas Sarkozy überliefert sind, deutet die Aktualität von Klassenkampf und Feminismus an. "Verzieh dich, du Blödmann", sagt er, und mit diesen Worten fauchte Frankreichs Präsident 2008 einen Bauern auf einer Landwirtschaftsschau an. Die nostalgische Komödie "Das Schmuckstück" entpuppt sich als Satire auf die Gegenwart.

Das Schmuckstück" - Frankreich 2010 - Verleih: Concorde - Regie: François Ozon - Darsteller: Catherine Deneuve, Gérard Depardieu, Fabrice Luchini, Karin Viard. Kinostart am 24. März.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Das Schmuckstück" - Emanzipation mit Catherine Deneuve

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