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Film-Kritik: Harry Potter und der Feuerkelch: Profi-Zauber

Film-Kritik : Harry Potter und der Feuerkelch: Profi-Zauber

Wie alles, was vom Nickelbrillen-Zauberer handelt, wird auch der verfilmte vierte Streich ein Kassenmagnet werden, da braucht sich wohl niemand zu sorgen: Die Fans haben gefiebert, und auch diesmal werden sie kaum enttäuscht werden. "Der Feuerkelch" sorgt einmal mehr für spannende Effekte, ein düsterer Thriller und erste Hormonwallungen der Hauptfiguren garantieren atemlose 157 Minuten Unterhaltung.

Das Kinojahr 2005 war eher defizitär zu nennen, da kommt der Film um den Helden der westlichen Welt gerade recht. Harry Potter-Fans können sich freuen: Mehr noch als die Tricktechnik, die ja schon in den drei vorangehenden Romanverfilmungen der Weltbestseller von Joanne K. Rowling staunenswert war, fasziniert dieses Mal Harry Potters beginnende Pubertät mit all ihren Freuden und Schmerzen. Auch Harrys beste Freunde Ron und Hermine sehen das jeweils andere Geschlecht nicht mehr bloß mit arglosen Kinderaugen. Der britische Regisseur Mike Newell, der den Kinohit "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" inszenierte, hat für diesen Handlungsstrang ein durchaus geschicktes Händchen.

Leider muss sich aber auch Newell den Marktgesetzen unterwerfen, die Tempo und Action am laufenden Band verlangen, obwohl keineswegs klar ist, ob das Publikum wirklich so begierig darauf ist. Diesmal also wird Harry, wie stets von dem inzwischen 16-jährigen Harry Radcliffe verkörpert, als Kandidat für das Trimagische Turnier ausgewählt. Dabei hat er ebenso schwierige wie lebensgefährliche Aufgaben gegen starke und ältere Konkurrenten zu bestehen. Damit nicht genug, haben Lord Voldemort und seine Gefolgsleute mal wieder Böses im Sinn. Davon kündet am Himmel das Dunkle Mal, das Harry nichts Gutes verheißt.

Nach dem Film eher betäubt als glücklich

Ganz so gespannt muss man allerdings nicht sein auf das Resultat von Harry Potters neuerlicher Bewährungsprobe. Denn bekanntlich hat die längst schwerreiche Schöpferin des Helden weitere Bücher verfasst, die noch der Verfilmung harren. Es dürften ohnehin nur recht wenige Besucher ins Kino kommen, die nicht zuvor die jeweilige Buchvorlage konsumiert haben. Das eigentlich Interessante an den Potter-Filmen ist deshalb die Frage, ob und wie sich die bei der Lektüre entzündeten Fantasien der Leser unterscheiden von der dramaturgischen und visuellen Interpretation der Filmemacher.

Regisseur Newell und Steve Kloves, der alle vier bisherigen Potter-Drehbücher verfasst hat, setzen stark auf die der Handlung innewohnenden Thriller-Effekte. Mehr denn je ist in dem neuen Film der sympathische Brillenträger Harry Potter eine Art James Bond in der Vorschule. Mehr denn je aber auch glaubt der Zuschauer, angesichts der gesteigerten Rasanz und der Verblüffungseffekte an die Mega-Erfolge "Krieg der Sterne" und "Herr der Ringe" erinnert zu werden. Was sich nun auf der Leinwand abspielt, könnte deshalb leicht boshaft als "Harry Bond im Krieg der Ringe" betitelt werden. Aber genau das bereitet Unbehagen. Denn allzu spürbar ist die berechnende Kalkulation auf den vermuteten Massengeschmack.

"Harry Potter"-Filme sind hochprofessionell produzierte Kinoware, die eine der erfolgreichsten Buchserien aller Zeiten hochprofitabel vermarktet. Viel schlauer und glücklicher verlassen die Zuschauer die Kinos nach solchen Filmen nicht, eher ziemlich betäubt und auch erschöpft. Für hervorragende britische Darsteller wie Robbie Coltrane, Ralph Fiennes, Brendan Gleeson und Maggie Smith erweisen sich die "Potter"-Streifen als wahre Goldgrube, die noch lange nicht versiegt ist. Hauptdarsteller Daniel Radcliffe muss sich nun allerdings sputen, auch noch die weiteren Rowling-Bücher abzudrehen. Denn schon beim nächsten Film wird der beginnende Bartwuchs von Radcliffe kaum noch zu überpudern sein. Aber vielleicht hilft da auch einfach der Zauberstab.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Harry Potter und der Feuerkelch

(ap)