Doku-Montage "The Green Wave": Gewaltexzess im Iran

Doku-Montage "The Green Wave" : Gewaltexzess im Iran

(RP). Sie waren so voller Hoffnung, die Menschen, die im Sommer 2009 im Iran gegen Ahmadineschad auf die Straße gingen. Wahlen standen an, und die Bürger dachten, sie könnten durch ihr Votum einen Regierungswechsel herbeistimmen. Bilder von den Großdemonstrationen für Oppositionsführer Mussawi gingen um die Welt, in allen Kanälen des Internets, in Blogs, bei Twitter und auf Facebook war von den Hoffnungen der Menschen im Iran zu lesen.

(RP). Sie waren so voller Hoffnung, die Menschen, die im Sommer 2009 im Iran gegen Ahmadineschad auf die Straße gingen. Wahlen standen an, und die Bürger dachten, sie könnten durch ihr Votum einen Regierungswechsel herbeistimmen. Bilder von den Großdemonstrationen für Oppositionsführer Mussawi gingen um die Welt, in allen Kanälen des Internets, in Blogs, bei Twitter und auf Facebook war von den Hoffnungen der Menschen im Iran zu lesen.

Wie es dann anders kam, davon erzählt die gerade in diesen Tagen überaus sehenswerte Dokumentation "The Green Wave" von Ali Samadi Ahadi. Der 1985 nach Deutschland geflohene Filmemacher hat Menschen interviewt, die wie er nicht mehr im Iran leben, die grüne Reformbewegung aber miterlebt haben. Darunter sind Prominente wie die Friedensnobelpreisträgerin Shrin Ebadi und der Jurist am internationalen Gerichtshof Payam Akhavan, aber auch hierzulande weniger bekannte Aktivisten wie der Blogger Mehdi Mohseni und die Journalistin Mitra Khalatbari, die sich an der Reformbewegung beteiligten.

Ihre Aussagen über den Enthusiasmus der ersten Wochen der Proteste und über die brutale Niederschlagung, die nach den Wahlen folgte, sind allein schon sehr eindringlich. Ahadi hat aber dazu alles Bildmaterial gesammelt, das aus jenen Tagen zu bekommen ist, oft wackelig gefilmt mit Handykameras. Diese Aufnahmen geben zumindest einen Eindruck davon, was auf den Straßen Teherans geschehen ist und was die privaten Filmemacher riskierten, um davon der Öffentlichkeit mitzuteilen.

Realfilm und Comic

All das wäre schon eindringlich genug, doch Ahadi hat Aussagen von Augenzeugen aus dem Internet mit einem Motion-Comic animiert. Diese Technik hat bei "Waltz with Bashir" eine albtraumhafte Wirkung gehabt, weil sie Aussagen anschaulich macht, aber im abstrakt künstlerischen Gestus des Zeichners. Auch in "The Green Wave" entsteht diese Wirkung, zumal die Augenzeugen von schrecklichen Dingen berichten, wie von regimetreuen Mordkommandos, die losgeschickt wurden, um Demonstranten niederzumetzeln. Sie saßen zu zweit auf Motorrädern, der Hintermann hielt nur ein Messer in der Hand, mit dem er alle verwundete, die zufällig in die Fahrroute des Motorrads gerieten.

Auch von den vielen Verschleppten, die tagelang in Gefängnissen eingesperrt und misshandelt wurden, berichtet der Film. Man hat das im Sommer 2009 schon gehört, doch in der grausamen Chronologie, die der Film nun eröffnet, wird dem Zuschauer erst klar, mit welch systematischer Brutalität die grüne Bewegung im Iran niedergeschlagen wurde. Das lässt einen anders derzeit nach Libyen blicken.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

(RP)