Liebeskummer-Ballade "Blue Valentine": Geschichte vom Ende einer Liebe

Liebeskummer-Ballade "Blue Valentine" : Geschichte vom Ende einer Liebe

Düsseldorf (RP). Nach sechs gemeinsamen Jahren scheint Deans und Cindys Beziehung am Ende zu sein. Keiner von ihnen weiß, wie es so weit kommen konnte. Er lässt sich ziemlich gehen, sie findet plötzlich unattraktiv, was ihr einst an ihm gefallen hatte. "Blue Valentine" erzählt die Geschichte einer Ehe, die an den Problemen des Alltags stirbt.

Der Hund der kleinen Tochter ist verschwunden, die Eltern finden den Kadaver und beraten, wie lange sie dem Kind den Tod des geliebten Spielkameraden verheimlichen können.

Die gemeinsame Sorge offenbart zugleich, wie sehr sich das Paar auseinandergelebt hat: Das Kind übers Wochenende zum Großvater zu bringen, hält auch Cindy für eine gutes Ablenkungsmanöver. Doch gegen Deans Vorschlag, diese Tage für traute Zweisamkeit in einem romantischen Hotel zu nutzen, sträubt sie sich.

Ein grausames Wochenende

Es wird ein grausames Wochenende. Denn bis zu Deans verzweifelten Versuchen, in einem bizarr dekorierten Hotelzimmer die verliebte Cindy von einst wieder zu finden, schildern Rückblenden die Anfänge einer wunderbar leichten, kindlich verspielten und zugleich mitreißend sinnlichen Liebesgeschichte.

Da ist Dean ein Möbelpacker, der seinen Job und seine Kollegen mag und schon beim ersten Anblick Cindys ganz sicher ist, die große Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Cindy ist Medizinstudentin, deprimiert von der Frage, ob sie ihre Schwangerschaft aus einer soeben beendeten Beziehung abbrechen soll oder nicht, und umso empfänglicher für den proletarischen Charme Deans.

Michelle Williams und Ryan Gosling wirken einander so herzlich zugetan, so bedingungslos verliebt, dass die erotische Spannung zwischen ihnen nie zu erlahmen scheint. "Blue Valentine" rekonstruiert nicht verschiedene Etappen einer scheiternden Liebe, wie so viele Filme zu diesem Thema, die oft zu Vexierspielen voller dramaturgischer Raffinesse in Vor- oder Rückwärts-Sprüngen erstarren.

Wechsel zwischen Einst und Jetzt

Derek Cianfrance, der Autor und Regisseur, erzählt nur in zwei Zeitebenen: von der Gegenwart und von den Anfängen vor sechs Jahren. Die Rückblenden sind so locker eingestreut, dass selbst der systematische Wechsel im Bildstil nicht störend vordergründig wirkt: die Gegenwart in den bläulichen Farbtönen einer aufdringlich nahe rückenden Digitalkamera, die Vergangenheit in den farbsatten Bilden eines 16-Millimeter-Films.

Die Wechsel zwischen Einst und Jetzt werden zusehens schneller, die Kontraste zwischen beschwingter Erotik und verkrampftem Sex schmerzhafter. Selbst Deans liebevoller Umgang mit seiner Stieftochter gerät ihm zum Nachteil: Seine kindlichen Spiele mit dem Kind sind in Cindys Augen nur noch kindisch, ein weiterer Beweis, dass er nicht erwachsen werden kann.

Dass die erkaltende, vom kleinbürgerlichen Glück angeödete Cindy dennoch so liebenswert bleibt, gehört zu den Qualitäten von Michelle Williams, die gegenüber dem temperamentvollen Gosling den schwierigeren Part meistert.

Unserer Wertung: Vier von fünf Sternen

Mehr von RP ONLINE