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"Gemma Bovery" mit Gemma Arterton

"Gemma Bovery" im Kino : Ironische Sommerkomödie aus Frankreich

Gemma Arterton spielt eine schöne Engländerin, die sich in der Normandie einquartiert und ihrem Nachbarn den Kopf verdreht.

"Frau sucht Liebe und wird ständig enttäuscht. Eine banale Geschichte, aber genial erzählt", so bringt der Dorfbäcker und Literaturkenner Martin Flauberts weltberühmten Roman "Madame Bovary" von 1856/57 bei seiner neuen Nachbarin Gemma auf den Punkt. Dabei sind es beileibe nicht nur Bücher, die den alternden Franzosen faszinieren: Er verfällt auch platonisch der jungen und sinnlichen, aber unsicheren und unzufriedenen Engländerin, die sich mit ihrem Mann Charlie in einem alten Haus in der Normandie einquartiert hat.

Schon bald bringt der stille, vielschichtige Martin (Fabrice Luchini, "Das Schmuckstück") Realität und Fiktion gehörig durcheinander: Bei einer zufälligen Begegnung in der berauschend schönen Natur reagiert Gemma (Gemma Arterton, "James Bond 007 - Ein Quantum Trost") gleichgültig - doch für ihn sind mit einem Schlag "zehn Jahre sexueller Beschaulichkeit vorbei". Überdies hält er sie nun für eine Art Wiedergängerin der Bovary, Ehebrecherin aus Langeweile.

Und vor deren tragischem Schicksal will der wackere Baguettebäcker seine Angebetete bewahren, um alles nur noch schlimmer zu machen. Im ironischen Ton einer sonnendurchfluteten Sommerkomödie, auf die dunkle Schatten fallen, erzählt die erfolgreiche Regisseurin und (Co-)Drehbuchautorin Anne Fontaine ("Coco Chanel") in "Gemma Bovery" von Verrücktheiten und Frivolitäten heutiger Menschen.

Sehr fein verkörpern der Kinostar Luchini und die junge Arterton die Helden einer Geschichte, von der man sich mit Gewinn unterhalten lassen darf.

(RP)