Kino-Kritik: Ewiger Hochzeitskitsch

Kino-Kritik : Ewiger Hochzeitskitsch

Düsseldorf (RP). Studentenparties können ziemlich scheußlich sein. Da juxen lauter Leute umher, die zu wenig Alkohol vertragen und eine zu hohe Meinung von ihrer Originalität haben. Die romantische Komödie "Verliebt in die Braut" lockt uns zu so einer Gaudi.

Der vor Selbstvertrauen strotzende Junghahn Tom (Patrick Dempsey) macht sich da an die gewitzte Hannah (Michelle Monaghan) heran, die seine Schlüpferstürmernummer ziemlich durchschaubar und unattraktiv findet. Dass uns ein Schnitt das Duo etliche Jahre später zeigt, als mittlerweile beste Freunde, das würde der Film gerne als Kennerschaft aller Widersprüche des menschlichen Herzens ausgeben. Leider scheint nach kurzer Zeit das wahre Motiv durch.

Patrick Dempsey ist als Doktor McDreamy in der TV-Serie "Grey's Anatomy" ein höchst quotenträchtiger Frauenschwarm geworden, und nun glaubt Hollywood, sich nach Einkauf dieses Mannes zeitraubende Lästigkeiten wie die Ausarbeitung eines stimmigen Drehbuchs sparen zu können. Hannah wird den Mann ihrer Träume zu finden glauben, und Tom wird merken, dass er eigentlich Hannah und keine andere will.

Dieses Motiv des Liebeswerbens fünf Minuten nach Zwölf ist nichts Neues, aber "Made Of Honor", so der Originaltitel, müht sich um eine zeitgemäße Wendung. Tom steht nicht einfach als verquält Freude heuchelnder Freund an Hannahs Seite, er wird zu ihrer Brautjungfer erkoren. So gerät der Film zur gut in die konservative Hochzeitskomödienseligkeit der letzten Hollywoodjahre passende Feier der bürgerlichen Zeremonienlust. Das Getüttel und Getue um Brautjungferpflichten, Rituale und Dekors kann einem auch dann auf die Nerven gehen, wenn man ein wenig Schliff und Pomp zu schätzen weiß.

Erstaunlich ist nur, dass der britische Regisseur Paul Weiland, der für Rowan Atkinson die TV-Serie "Mr. Bean" inszeniert hat, dem Ganzen so wenig schrille Situationskomik abringen konnte. Hannah strebt, ganz wie der Zufall der Liebe es will, sozial nach oben. Ihr Auserkorener (Kevin McKidd) ist ein schottischer Adliger, der mit großer Bescheidenheit die Bürde eines immensen Vermögens trägt und daheim als echter Folklorebursche jede Menge skurriler Highland- Bräuche pflegt. Also muss Patrick Dempsey schließlich entschlossen auf einem fremden Pferd losreiten, um die Hochzeit zu stoppen: Wem bei so was das Herz aufgeht, der bekommt hier an einem Kinoabend seine Kitschdosis für den ganzen Monat.