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"Tron: Legacy": Es rappelt in der Kiste

"Tron: Legacy" : Es rappelt in der Kiste

Zurück in die Zukunft: Mit "Tron: Legacy" startet die Fortsetzung des Cyber-Abenteuers "Tron", das 1982 als das Nonplusultra der noch jungen Computeranimation galt. Damals wurde Programmierer Kevin Flynn in das Innenleben eines Supercomputers gebeamt. In der Fortsetzung ist Kevin seit vielen Jahren verschollen. Doch sein erwachsener Sohn Sam bringt die verstaubte Kiste wieder zum Rappeln.

Durch einen mysteriösen Hinweis findet Sam den väterlichen Großrechner und gelangt ebenfalls in den nachtschwarzen Cyber-Kosmos. Er wird gekidnappt und soll als Spielfigur im Gladiatorenkampf verheizt werden.

CLU, der Chef des Cyber-Zirkus, sieht aus wie der junge Kevin, den Sam vor vielen Jahren zuletzt gesehen hatte. Doch CLU ist ein von Kevin geschaffenes, abtrünniges Programm mit Welteroberungsplänen, das mit seinen Cyber-Armeen die reale Welt aufmischen will. Schließlich trifft Sam auch seinen richtigen Vater Sam. Es geht ihm gut, er ist aber ziemlich virtuell.

Und sieht dennoch verlebt aus: Gegen Falten ist in der schönen neuen Digitalwelt seltsamerweise kein Kraut gewachsen. Doch wer als Zuschauer mitdenkt, ist selbst schuld, denn die visuell spektakuläre Cyber-Oper ist noch wirrer als "Inception".

Schauwert als technisches Spektakel

Das war schon im Ur-"Tron" so, der mit seiner hermetisch-konfusen Parallelwelt zwar Computerspiel-Fans und technikaffine Filmemacher elektrisierte, an der Kinokasse jedoch enttäuschte. Auch Debütregisseur Joseph Kosinski konzentriert sich auf die unkuschelige retro-futuristische Kulisse - und lässt nebenbei das standardisierte Vater-Sohn-Programm laufen.

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In unendlichen digitalen Arenen werden Wettkämpfe mit Neon-Frisbees und Motorrädern mit gleißendem Lichtschweif ausgetragen. Und in diesen schnittigen Actionsequenzen macht das 3D-Format - der Filmbeginn in der realen Welt ist zweidimensional - ästhetisch Sinn.

Keine Frage, als technisches Spektakel bietet "Tron: Legacy" einigen Schauwert. Dem 170 Millionen US-Dollar teuren Film wäre es allerdings gut bekommen, hätte man auf die eine oder andere Runde im Lichtschwerterkampf verzichtet und stattdessen ins Drehbuch investiert. Ist die Innenwelt des Computers erst einmal dramaturgisch etabliert, tritt die Geschichte nämlich weitgehend auf der Stelle.

Ansonsten greift Kosinski auf einschlägige Blockbuster zurück, klaut die Klonarmee und das Darth-Vader-Design von "Star Wars", die Gladiatorenkämpfe von "Rollerball" und das Pseudo-Religiöse von "Matrix". Das Interieur des väterlichen Refugiums, ein cooler Mix aus französischem Landhausstil und 80er-Disco, erinnert an "Odyssee 2001".

Yoda-isiertes Update des Kultfilms

Sogar ein "Völkermord" an "Isomorphen Algorithmen" steht auf CLUs Sündenregister. Immerhin wird das von einem würdigen Erlöser in Gestalt von Jeff Bridges versüßt, der bereits in "Tron" in den Schaltkreisen herumturnte.

Dem Oscargewinner ("Crazy Heart") wird eine hübsche Hommage erwiesen: Er tritt sowohl als sein mittels "Performance Capture" modellierter jüngerer Wiedergänger wie auch als alternder Mann auf. Bärtig, barfuß, im weißen Wallehemd und total "Zen", gibt der Star mit Bierernst einen Second-Hand-Guru jener Sorte, die er in "Männer, die auf Ziegen starren" so wunderbar veräppelte.

Weitere Mitspieler sind der attraktive Garrett Hedlund als Sam und Serienstar Olivia Wild als ein à la "Das 5. Element" gestylte Naive. Michael Sheen (das weiße Kaninchen aus "Alice im Wunderland") gibt den weibischen Zeremonienmeister Zuse, der mal wie David Bowies "Ziggy Stardust", mal wie Julian Assange aussieht.

Daft Punk glänzen

Dass die Spannung über große Strecken dennoch erhalten bleibt, ist dem Soundtrack von Daft Punk zu verdanken. Das French-House-Duo hat, abgesehen von einigen wenigen elektronisch-technoiden Soundfetzen, einen überraschend konventionellen Score abgeliefert und mit einem 100-köpfgen Orchester dröhnenden Bombast eingespielt. Daft-Punk-Fans mag das irritieren, für "Tron: Legacy" ist es ein Glücksfall.

Während "Tron" 1982 an der Kinokasse nur ein mäßiger Erfolg beschieden war, schnellte die Fortsetzung in den US-Charts auf Platz eins und hatte drei Wochen nach dem Kinostart die Produktionskosten bereits eingespielt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: An der Spitze der US-Kinocharts: "Tron: Legacy"

(apd/csr)