Film-Kritik: Ellen Calling - Nachricht vom Schicksal

Film-Kritik : Ellen Calling - Nachricht vom Schicksal

Eigentlicher Hauptdarsteller des Film ist nur einer: das Schicksal. Es kommt, wenn man am wenigsten darauf gefasst ist, und überollt die Menschen gnadenlos und unumkehrbar. "Ellen Calling- Nachricht vom Schicksal" erzählt in verschiedenen Episoden von unterschiedlichen Unfällen, nach denen nichts mehr so ist wie vorher...

Ellen (Catherine Kools) ist ein rätselhaftes Mädchen. Sie sammelt Zeitungsartikel über Menschen, denen das Schicksal übel mitgespielt hat. Drogenboss Don Aimé sucht die 16-Jährige und engagiert dafür die drogenabhängige Ex-Journalistin Sam (Gert Portael). Diese findet das Mädchen mit den blauen Haaren, will es jedoch vor Don Aimé schützen. Der flämische Regisseur Rudolph Mestdagh legt als Debütfilm einen düsteren Thriller vor, der von der Glücks- und Sinnsuche des Menschen erzählt.

Das Wichtigste in ihrem Leben verlieren unterschiedliche Figuren durch einen Unfall: Ein DJ kann nach einem Tauchgang nicht mehr hören und wird zudem von seiner Freundin verlassen. Ein Parfumeur verliert nach einem handfesten Streit mit seiner Ex-Frau seinen Geruchssinn. Eine Pianistin hat nach einem brutalen Überfall keine Hände mehr. Ein Junge sitzt nach einem Sturz vom Dach im Rollstuhl und muss den Traum von der Pilotenschule begraben. Einer Prostituierten wird von ihrem Zuhälter die Zunge abgeschnitten, so dass sie nicht mehr wie erträumt Schauspielerin werden kann.

Auch Sam hat ihren Lebenswillen verloren, seitdem vor vielen Jahren ihr Baby ertrank. Ellen, die sich "Elektra" nennt, und sich als Obdachlose in leeren und baufälligen Häusern herumtreibt, sammelt die Geschichten dieser Opferfiguren akribisch. Auch deren Telefonnummern bringt sie in Erfahrung. Dann beginnt sie, Schicksal zu spielen. Die Menschen, die ihren Lebenswillen verloren haben, bekommen eine SMS von ihr: "Hast Du von allem genug? Elektra macht ein Ende." Ellen gelingt es, die Verzweifelten zusammenzuführen.

Regisseur Mestdagh hat vor "Ellen Calling" bereits bei fünf Kurzfilmen, drei Fernsehfilmen, 15 Dokumentarfilmen und mehr als 50 Werbespots Regie geführt. 1989 gründete er die belgische Produktionsfirma Cosmo Kino. Bei seinem ersten Kinofilm trat er als Regisseur, Co-Autor und Produzent zugleich auf.

Die Story des Films ist zwar nicht schlecht. Der Zuschauer hat es jedoch schwer, den vielen Handlungssträngen zu folgen und einen Überblick über die Vielzahl der Charaktere zu bekommen. Deren meist nur kurzes Auftreten lässt zudem keinem Darsteller Zeit, durch schauspielerische Leistung zu glänzen. "Ellen Calling - Nachricht vom Schicksal" weckt Hoffnungen auf einen poetischen Albtraum à la David Lynch, schafft es aber nicht, diese Erwartungen zu erfüllen.

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(afp)