"Crazy, Stupid, Love" im Kino: Ein Liebesfilm besonders für Männer

"Crazy, Stupid, Love" im Kino : Ein Liebesfilm besonders für Männer

Düsseldorf (RP). Die Beziehungskomödie ist durch die Beziehungsangstkomödie ersetzt worden. Da das Kino nicht mehr an die große, bedingungslose Liebe glaubt, sind die Leinwandhelden und -heldinnen vor allem damit beschäftigt, eine Trennung zu verarbeiten oder sich vor einer anstehenden Hochzeit zu fürchten. "Crazy, Stupid, Love" dürfte daher vor allem Männern gefallen.

Denn der Humor geht fast immer auf Kosten des anderen Geschlechts, je nachdem, ob der Film sich an Männer oder an Frauen richtet. "Crazy, Stupid, Love" beginnt mit einer Demütigung: Cal (Steve Carell), ein liebenswerter Langweiler, ist seit fast zwanzig Jahren mit Emily (Julianne Moore) verheiratet, die ihm ganz beiläufig mitteilt, dass sie die Scheidung will. Einen neuen Liebhaber hat sie auch schon. Sie formuliert die Trennungsabsicht so sachlich-freundlich, dass Cal sie nicht einmal hassen kann.

Kampf um Selbstachtung und eine Frau

Der Rest des Films handelt davon, wie Cal seine Selbstachtung und vielleicht auch seine Frau zurückgewinnt. Aber die Selbstachtung kommt an erster Stelle. Cal gewinnt sie mit Hilfe eines mephistophelischen Fremden, den die Lust auf einen Menschenversuch antreibt. Jacob (Ryan Gosling) hat Cal schon längere Zeit beobachtet und macht ihn zu seinem Schüler.

Er stellt ihm junge hübsche Frauen vor, mit denen er Konversation üben soll. Er bringt ihn dazu, sich modischer zu kleiden und sich eine neue Frisur zuzulegen. Das Experiment gelingt, aber auf Kosten anderer. Cal lernt, Frauen zu benutzen, und der hysterische Anfall einer enttäuschten Lehrerin (Marisa Tomei), die sich mehr von ihm erhofft hatte, wird als komische Nummer präsentiert.

Wenig erfreuliche Totteligkeit

Der Film, bei dem Glenn Ficarra und John Requa gemeinsam Regie geführt haben, ist für eine Sommerkomödie ziemlich ambitioniert. Sogar ein Rollenwechsel zwischen den Männern wird angedeutet. Ryan Gosling ist dieser Aufgabe schauspielerisch gewachsen; man glaubt ihm den zynischen Macho mit Siegerlächeln, der plötzlich sein Herz und seine Verletzbarkeit entdeckt. Dagegen bleibt Steve Carell der liebenswerte Trottel trotz seines modischen Outfits. Wenn er die Gefühle von Frauen verletzt, geschieht das auch nur aus Trotteligkeit, aber das macht die Sache nicht erfreulicher.

Tolle Schauspieler

Eine anrührende Darstellung liefert der 13-jährige Jonah Bobo als Cals Sohn, der sich in das vier Jahre ältere Kindermädchen (Analeigh Tipton) verliebt hat. Und eine der besten jungen Komikerinnen Hollywoods, Emma Stone ("Einfach zu haben"), macht es nachvollziehbar, dass der bindungsscheue Jacob seine Lebenspläne doch noch auf den Kopf stellt.

Es sind schlussendlich und paradoxerweise die seriösen Ansätze, die für Irritation sorgen. "Crazy, Stupid, Love" ist keine Farce, sondern eine humorvolle Charakterstudie, da stellt man höhere Ansprüche und sieht sie nicht immer befriedigt.

Kinostart: 18. August 2011

Hier geht es zur Bilderstrecke: Szenen aus "Crazy, Stupid, Love"

(RP)
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