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Film-Kritik: Ein Haus in Irland: Heilung durch Haustausch

Film-Kritik : Ein Haus in Irland: Heilung durch Haustausch

Ria (Olivia Williams) und Marilyn (Andie MacDowell) haben sehr schmerzhafte Erfahrungen hinter sich: Die eine hat durch einen Unfall ihren 15-jährigen Sohn verloren, die andere wurde völlig überraschend von ihrem Mann verlassen. Nun beschließen die beiden Frauen eine ungewöhnliche Therapie: Sie tauschen für zwei Monate ihre Häuser und ihr Leben.

Eigentlich hat Ria (Olivia Williams) ein perfektes Leben: Ihre beiden Kinder sind wohlgeraten, ihr Mann ist nett und als Immobilienmakler erfolgreich und ihr Haus in Dublin rundum gemütlich. Doch dann verlässt ihr Gatte sie aus heiterem Himmel für seine jüngere und schwangere Geliebte, und für Ria bricht eine Welt zusammen. Als mitten in der Nacht die durch den Tod ihres Sohnes aus der Bahn geworfene Marilyn (Andie MacDowell) zufällig bei ihr anruft, trifft sie eine spontane Entscheidung: Die Frau aus den USA sucht einen Haustausch-Partner, und Ria greift zu. Die beiden tauschen für zwei Monate ihr Haus und ihr Leben.

Regisseur Gillies MacKinnon ("Pure") hat mit "Ein Haus in Irland" den gleichnamigen Erfolgsroman der irischen Bestseller-Autorin Maeve Binchy, die in ihren Büchern warmherzige Geschichten aus dem Alltag von Menschen erzählt, mit prominenter Besetzung auf die Leinwand gebracht. In der irisch-deutschen Koproduktion sind neben MacDowell und Williams ("The Sixth Sense"), Stephen Rea ("The Crying Game"), Iain Glen ("Lara Croft: Tombraider"), Jean-Marc Barr ("Im Rausch der Tiefe - The Big Blue") und Oscar-Preisträgerin Brenda Fricker ("Mein linker Fuß") auch Heike Makatsch und August Zirner zu sehen.

Es geht um Schmerz, Gefühle, Freundschaften, Heilungsprozesse, wie sie im Leben eines jeden Menschen vorkommen. Dabei bleibt der Film - die zweite Binchy-Verfilmung nach "Im Kreis der Freunde" - jedoch konventionell und ohne größere Höhepunkte oder Ecken und Kanten.

Marilyn braucht nach dem Unfalltod ihres 15-jährigen Sohnes Dale Abstand. Sie verkündet ihrem Mann Greg (Zirner), dass für sie die Ehe vorbei sei und will in Irland Ruhe suchen. Doch dort wird sie nach und nach in Rias Leben mit deren Nachbarn und Freunden hineingezogen und beginnt langsam, sich zu fangen.

Auf der anderen Seite des Atlantiks in Neuengland lenkt sich derweil Ria von ihrem Kummer ab. Schnell lernt sie die klischeehaft aufgedrehten Nachbarinnen und Freunde Marilyns kennen und den attraktiven Bruder von Greg. Für eine Weile taucht sie in ein neues Leben ein, aus dem sie wieder Kraft schöpft - und am Ende sitzen alle Protagonisten an dem großen Tisch in dem "Haus in Irland", als die Ereignisse noch einmal dramatisch werden.

Die Frauen stehen im Mittelpunkt des Films, und McDowell und Williams liefern als liebenswerte Protagonistinnen passable Leistungen ab. Im Vergleich zu ihrer Darstellung etwa in "Sex, Lügen und Video", "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" oder "Green Card" bleibt allerdings die Rolle von McDowell unspektakulär. Das gilt auch für die anderen Parts in der braven Inszenierung: Irgendwie sind die Charaktere alle sympathisch, und selbst Ehebrecher Danny geht nicht wirklich als Bösewicht durch. Und so wirkt "Ein Haus in Irland" passend zur Weihnachtszeit insgesamt ziemlich weichgespült.

(afp)