3D-Abenteuer "Der Lorax": Ein Fellknäuel erklärt die Welt

3D-Abenteuer "Der Lorax" : Ein Fellknäuel erklärt die Welt

Die Kinderbuchklassiker der 70er Jahre feiern zurzeit ein Comeback in Neuausgaben, Barbro Lindgrens "Geschichte vom kleinen Onkel" etwa. Auch "Der Lorax" des Zeichners und Autors Dr. Seuss gehört dazu.

Dr. Seuss, der mit bürgerlichem Namen Theodor Geisel hieß, gilt als erfolgreichster Kinderbuch-Autor der Welt. Jedes seiner Bücher verkauft sich noch immer 400.000 Mal pro Jahr. Sein Bestseller ist jener "Lorax" von 1971, ein Waldgeist, der anmutet wie eine Kreatur, die sich Christine Nöstlinger und Ali Mitgutsch gemeinsam ausgedacht haben.

Regisseur Chris Renaud bringt das Märchen nun in 3D ins Kino, und in den USA läuft die Zeichentrick-Produktion ähnlich erfolgreich wie die anderen Adaptionen von Werken des Dr. Seuss: "Der Grinch", "Horton hört ein Hu" und "Der Kater mit Hut". 70 Millionen Dollar spielte sie allein am Startwochenende ein. Es geht um eine Stadt irgendwo in Amerika, dort ist alles künstlich, sogar die Bäume und Blumen, und geplant hat sie ein böser Fabrikbesitzer. Er ließ die Natur hinter den Stadtmauern vernichten, denn er braucht Holz zum Befeuern seiner Maschinen, die rund um die Uhr "Schnäuche" herstellen, nicht näher definierte Produkte, die jeder haben möchte und niemand braucht.

Fabel über übermäßigen Konsum

Das ist eine Fabel über übermäßigen Konsum und die Entfremdung von der Natur. Ein kleiner Junge wirkt dieser Entwicklung schließlich entgegen. Er will einen Samen finden, aus dem er einen Baum ziehen kann. Und er begegnet dem allwissenden "Einstler", der ihm erzählt, wie es früher war. Damals lebte der Lorax im Wald, ein bärtiges Wesen, das als früher Öko-Aktivist durchgeht und die Sprache der Bäume versteht. Statt Kronen trugen die Bäume bunte, an Zuckerwatte erinnernde Wattebäusche, und alles war schön. Dann rückten die Maschinen an zur Zerstörung der Idylle, der Lorax verschwand.

Das Kinderbuch lebt von seinen feinen Zeichnungen und dem gereimten Text. Es gibt phantastische Figuren wie Schwippschwänze, Summerfische und Braunfellwullis, und alles bewegt sich in der anglo-amerikanischen Tradition der "Nursery Rhymes", der Kinder-Poesie aus dem 19. Jahrhundert. Der Film wischt nun über diese Charakteristika hinweg, er schafft es nicht, die Balance zwischen Allegorie und Albernheit zu finden, er setzt ausschließlich auf die Macht der Bilder, und das ist ärgerlich. Die Stadt etwa, aus der der Junge zum "Einstler" flieht, sieht im Gegensatz zur grau-düsteren Metropolis der Vorlage geradezu aufregend aus. Man fragt sich, warum ein Kind von dort fliehen sollte.

Tolle Synchronstimme von Danny DeVito

Was Spaß macht, ist der Lorax selbst. Der Schauspieler Danny DeVito leiht ihm seine Stimme. Der Amerikaner spricht sogar den deutschen Text. DeVito hatte so viel Spaß an der Rolle, dass er sich die Übersetzung in Lautschrift vorlegen ließ und Betonungen einübte.

Fazit: Dass "Der Lorax" im Kino bestehen kann, ist Beleg für die Qualität der Vorlage. Die gibt es übrigens in einer neuen Übersetzung im Kunstmann-Verlag.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Hier geht es zur Bilderstrecke: Szenen aus "Der Lorax"

(RP/sap/csr/das)
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