"Scream 4": Die Maske kehrt zurück

"Scream 4" : Die Maske kehrt zurück

(RP). Wenn ein maskierter Typ mit einem schlachthoftauglichen Messer auf einen zukommt, ist Weglaufen keine dumme Idee. In amerikanischen Schlitzerfilmen aber flüchten die Teenager, die hier regelmäßig von Verrückten abgeschlachtet werden, ebenso regelmäßig in ihren Häusern treppauf – dorthin, wo die weiteren Fluchtmöglichkeiten immer weniger werden. Auf diese Doofheit wurde 1996 in Wes Cravens "Scream" hingewiesen, und zwar von Kids, die bald selbst Ziel eines Schlitzers sein würden.

(RP). Wenn ein maskierter Typ mit einem schlachthoftauglichen Messer auf einen zukommt, ist Weglaufen keine dumme Idee. In amerikanischen Schlitzerfilmen aber flüchten die Teenager, die hier regelmäßig von Verrückten abgeschlachtet werden, ebenso regelmäßig in ihren Häusern treppauf — dorthin, wo die weiteren Fluchtmöglichkeiten immer weniger werden. Auf diese Doofheit wurde 1996 in Wes Cravens "Scream" hingewiesen, und zwar von Kids, die bald selbst Ziel eines Schlitzers sein würden.

Im Mittelpunkt der Handlung von "Scream" standen medienerfahrene, ironische Horrorkonsumenten, die wiedererkannten, nach welchen Mustern der Horror nach ihnen griff. "Scream 4", Wes Cravens neuer Film, ist nun nicht einfach eine Fortsetzung. Er ist in vielem ein Akt der Verzweiflung. Als er den ersten Teil drehte, war Craven, Jahrgang 1939, längst eine lebende Legende des Horrorkinos. Er hatte einst die Erneuerung des Genres mitgemacht, aber er war doch mitverantwortlich für das endlose Auswringen von Ideen weit über den letzten Tropfen Unterhaltsamkeit hinaus.

"Scream" war der klassische Versuch eines Befreiungsschlags. Nur hätte diese postmoderne, clevere Variante des Schlitzerfilms eben für sich allein stehen müssen. Ihre Fortsetzungen gerieten verschachtelt und verquält.

In "Scream 3" wurde mit den Überlebenden der früheren Morde ein Film über filmerfahrene Jugendliche gedreht, die sich plötzlich in Situationen wiederfinden, die sie aus ihren Videoabenden kennen. Bei den Dreharbeiten des Gruselfilms im Film ging nun wieder ein Schlitzer um. "Scream 4" ist in mancher Hinsicht eher ein Remake von "Scream" als eine Fortsetzung. Es ist ein Film mit Kids, die nicht nur formelhafte Schlitzerfilme kennen, sondern auch Filme, die sich über die formelhaften Schlitzerfilme lustig machen.

Wieder finden wir uns in der Kleinstadt Woodsboro, wieder setzt jemand die Munch-Maske auf und nimmt das Messer in die Hand. Craven versucht, letzte Gewissheiten und Genregewohnheiten zu finden, die sich noch hintertreiben lassen. Manchmal ist das komisch, meist aber ein furchtbares Wirrwarr aus Ironie und Blutsudelei.

Alte Bekannte (Neve Campbell, David Arquette) tauchen auf, und eine junge Garde tritt an (Lucy Hale, Shenae Grimes), aber alle Figuren lösen fast Mitleid aus, wie sie da wieder einmal im Kaff Woodsboro festhängen, in ihren Häusern von Raum zu Raum gejagt werden und trotz größter Not lediglich die maue Hilfe des örtlichen Sheriffs erwarten dürfen.

Wes Craven sollte sich von Woodsboro endlich verabschieden. Aber er klebt hier fest wie seine Figuren. l

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schrill, schön, schaurig: die Höhepunkte der Scream Awards 2010

(RP)
Mehr von RP ONLINE