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Film-Kritik: Die Legende des Zorro: Z wie zögerlich

Film-Kritik : Die Legende des Zorro: Z wie zögerlich

Zorro, dass ist der, der mit Maske und Degen für Gerechtigkeit sorgt, schwarzgewandtet durch die Lande zieht und den jeder zu kennen glaubt. Der Film "Die Legende des Zorro" reiht sich ein in die lange Liste der Filme, die die den Maskenmann zum Helden haben. Wirklich bereichern tut der Streifen die internationale Filmlandschaft aber nicht, allem Aufwand zum Trotz.

Denn in dreister Weise wird in dem Film eine Kinolegende geplündert, garniert mit ebenso unappetitlicher wie aufdringlicher Propagierung von Familiensinn und US-Patriotismus. Für den aus Neuseeland stammenden Regisseur Martin Campbell ist es nach "Die Maske des Zorro" aus dem Jahr 1998 die zweite Begegnung mit dem spanisch-mexikanischen Edelmann, der als Rächer der Entrechteten und Unterdrückten unter den Schurken aufräumt, wobei er nach getaner Arbeit stets sein Markenzeichen hinterlässt, nämlich den gefürchteten Buchstaben 'Z'. Im Kino ist das seit der Stummfilmzeit unter Titeln wie "Zorro, der Mann mit den zwei Gesichtern", "Zorro, der schwarze Rächer" oder gar "Zorro, spiel mir das Lied der Wolllust" variiert worden. Die Mehrzahl dieser Filme war anspruchslose Unterhaltung und wollte auch nicht mehr sein.

Campbell, der für die Inszenierung der nächsten James-Bond-Folge ausgewählt wurde, und seine Drehbuchautoren sind ehrgeiziger ans Werk gegangen. Sie wollten einen Film für fast alle Zuschauerkreise machen. Von ihrem Ehrgeiz zeugt auch die prominente Besetzung der Hauptrollen mit dem Hollywood-Spanier Antonio Banderas als Don Alejandro de la Vega alias Zorro und der Waliserin Catherine Zeta-Jones, die seine Ehefrau Elena spielt. Beide waren schon in Campbells erstem "Zorro"-Film mit von der Partie. Nun haben sie einen äußerst aufgeweckten kleinen gemeinsamen Sohn namens Joaquin.

Der schönste und eleganteste Bösewicht seit langem

Außerdem befinden sie sich in einer Ehekrise, die der attraktive, aber verschlagene Franzose Armand (Rufus Sewell) für seine Interessen zu nutzen sucht. Armand will nämlich den Beitritt des ehemals spanisch-mexikanisch beherrschten Kaliforniens in die Vereinigten Staaten skrupellos mit allen Mitteln vereiteln. Armand möchte allerdings auch die Gunst der schönen Elena gewinnen, die genug davon hat, dass ihr Mann immer noch ab und zu den Maskenhelden für fremder Leute Interessen spielen will und außerdem zu oft zu tief ins Glas schaut.

Doch Elenas heißer Flirt mit dem weltläufigen Franzosen, bei dem sie, wie aufdringlich genug gezeigt wird, natürlich nie die treusorgende Versorgung von Söhnchen Joaquin vergisst, weckt bei Zorro neue Leidenschaft. Darum kämpft er bald um seine Frau, aber gegen Armand, wobei einige Kulissen in die Brüche gehen und etliche Figuren ihr Leben aushauchen. Regisseur Campbell hat in seinen früheren Filmen bewiesen, wie gut er Actionszenen inszenieren kann. Das stellt er erneut unter Beweis. Langweilig ist all das Herumgefechte und Abgemurkse jedoch deshalb, weil das Resultat stets gewiss ist: Zorro ist schließlich unbesiegbar.

Antonio Banderas, der als Schauspieler schon bessere Tage erlebt hat, zeigt Zorro als mürrischen Macho. Zeta-Jones, die selbst zwei kleine Kinder hat, ist als Mutter wie als Geliebte ein erfreulicher Anblick, viel mehr wird von ihr auch nicht gefordert. Der Brite Rufus Sewell hinterlässt mehr Eindruck, ist er doch der schönste Bösewicht auf der Leinwand seit langer Zeit. Mit Eleganz und Manieren ist Sewell als Europäer im Wilden Westen glaubwürdig. Mehr als ärgerlich ist aber, wie die Figur des Armand Vorurteile über die "verräterischen Franzosen" bestätigen soll, die zu Beginn des Irak-Kriegs kräftig in den USA geschürt wurden. Wer seinen Kopf nicht ganz ausschaltet, wird auch deshalb wenig Freude an diesem neuen "Zorro"-Abenteuer haben, das am 27. Oktober auf die Leinwände kommt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Legende des Zorro

(ap)