Drama als Animationsfilm: Die Geschichte von Gnomeo und Julia

Drama als Animationsfilm : Die Geschichte von Gnomeo und Julia

(RP). Die Disney-Studios malen die berühmteste Liebesgeschichte der Welt blau an: Im Animationsfilm "Gnomeo und Julia – Liebe versetzt Zwerge" verlieben und bekämpfen sich Gartenzwerge. Die Fabel von William Shakespeares Drama spielt nun knapp über der Grasnabe.

(RP). Die Disney-Studios malen die berühmteste Liebesgeschichte der Welt blau an: Im Animationsfilm "Gnomeo und Julia — Liebe versetzt Zwerge" verlieben und bekämpfen sich Gartenzwerge. Die Fabel von William Shakespeares Drama spielt nun knapp über der Grasnabe.

Die Nachbarschaft wäre das erholsamste Idyll, wären da nicht die Nachbarn. Auch in der grünen, ruhigen Bürgerbehaglichkeit, in die uns die 3-D-Computeranimationskomödie "Gnomeo und Julia" führt, herrschen Hader, Missgunst und Unverträglichkeit. Die Familien Montague und Capulet mögen einander gar nicht. Ihre Gärten grenzen aneinander, schimmern und sprießen unter derselben Sonne, aber der Zaun ist ernst gemeint.

Mehr noch: Wenn die Menschen nicht hinschauen, und die schauen hier fast nie hin, dann erwachen die mehr oder weniger knuffigen Gartenzwerge zum Leben und setzen die Nachbarschaftsfehde ihrer großen Besitzer zwischen Springbrunnensockel und Grasnabe mit fiesesten Mitteln fort.

Da werden dann die Rasenmäher zu brutalen Rennboliden, denen man besser nicht in den Weg kommen sollte. Die Filmemacher genießen es, die kleinen Heile-Welt-Wichtel als Zankbande darzustellen, aber sie schaffen es, die meisten noch halbwegs sympathisch wirken zu lassen. Trotzdem bleiben hier Wut und Rivalität nicht ohne Folgen. Der Gipsrecke Tybalt hat eine erschütternde Begegnung mit einer Mauer und ist danach nur noch ein anklagender Scherbenhaufen.

Diese Vertiefung des Zerwürfnisses macht besonders riskant, was nun frei nach Shakespeare passiert, dass sich zwei Wichtelwesen aus dem roten und dem blauen Lager ineinander verlieben. Und weil wir in der Popkultur keinen Degen und nicht mehr so viel Wortwitzverständnis haben, gibt es hier erst mal ein paar Kung-Fu-Duelle, bevor die beiden Liebenden sich annähern.

Soundtrack von Elton John

Dieser hauptsächlich in Großbritannien entstandene Trickfilm hat eine lange Vorgeschichte. Vor sechzehn Jahren hat Elton John für den global erfolgreichen Disney-Film "König der Löwen" die auch noch am Broadway erfolgreiche Hitmusik geliefert. Und er hat sich damals so begeistert vom Medium Trickfilm gezeigt, dass Disney ihm logistische Unterstützung versprach, sollte er je selbst einen Trickfilm ins Kino bringen wollen.

Das Projekt zog sich hin, aber nun hat Elton John als Co-Produzent für "Gnomeo und Julia" auch noch die Musik geliefert. Was wohl das Problematischste an dieser zwischen Kitsch und Pfiffigkeit schwankenden Komödie sein dürfte: die Lieder sind arger Ohrenkleister geworden.

Andererseits beweist dieses vom "Shrek 2"-Regisseur Kelly Asbury inszenierte Gartenzwerg-Drama immer wieder, dass nicht jeder Gag in einem Familienfilm kindertauglich sein muss. Hier finden sich etliche auch sexuelle Anspielungen, und einer der Zwerge erinnert in einem dünnen Leiblein gar an eine fette Ausgabe von Borat.

Gastauftritt für Shakespeare

Der schönste Witz konfrontiert unser literarisches Vorwissen mit dem Überlebenswillen der Zwerge. Für Romeo und Julia gibt es bei Shakespeare am Ende bekanntlich kein Liebesglück, sondern die Bitternis des Todes. Gnomeo (deutsche Stimme: Bürger Lars Dietrich) wehrt sich aber selbst dann noch gegen den Untergang, als ein Denkmal von William Shakespeare zum Leben erwacht und ihn zum tragischen Hinscheiden überreden will. Schließlich hängt der verzweifelte Gnomeo an Skakespeares Schreibfeder, und der Meister, der kein Mitleid kennt, wenn es um ein wirkungsvolles Ende geht, schüttelt und schüttelt.

Aber keine Sorge, kleine Kinder werden hier nicht abgehängt. Wenn einer der Zwerge etwa im Internet der Menschen herumsucht und einen Rasenmäher findet, der aussieht, als ob er sich von einer Rüstungsmesse für Massenvernichtungswaffen in die Gartenabteilung verirrt hätte, dann können sich die Kleinen auf handfeste, überdrehte Action freuen.

Julia (deutsche Stimme: Anke Engelke) ist kein ganz und gar braves Mädchen. Ein rosa Plastikflamingo mit vorläufig nur einem Bein ist kein eitel in der Gegend herumstehender Zierat, und die Worte der Sippenältesten der Zwerge sind nicht der Weisheit letzter Schluss: Das sind kleine pädagogische Lektionen, die Kinder in all dem Trubel mitnehmen können. Es geht hier um Selbstständigkeit, ums Verletzen der Regeln, wenn die Regeln falsch sind.

Die erschreckendste Konsequenz des Kleinkriegs im Garten wird übrigens wieder zurückgenommen, wenn man lange genug sitzen bleibt, wir sind hier schließlich im modernen Märchen. Ganz am Ende, wenn die Sippen versöhnt und die Liebenden vereint sind, wird gesungen und getanzt bis in den Abspann hinein. Und da taucht dann auch der zuvor zu Bruch gegangene Tybalt wieder auf, geklebt, gekittet und wieder guter Dinge.

Er sieht nicht mehr ganz so ladenfrisch aus wie zuvor; aber das Leben und der Übermut hinterlassen eben Spuren — ob wir nun aus Fleisch oder aus Gips sind.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Emily Blunt als Gartenzwergin

(RP)
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