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Die Boxtrolls: Mitreißendes Animationskino in 3D

"Die Boxtrolls" : Mitreißendes Animationskino in 3D

Im altehrwürdigen Städtchen Cheesebridge geht die Angst vor Monstern um. Denn unter der Stadt leben die Boxtrolls. Das sind Fabelwesen, die Pappkartons tragen wie Schildkröten ihre Panzer. Angeblich sind sie gefährlich.

Doch in Wahrheit handelt es sich um scheue, sensible Kreaturen. Den schlechten Ruf verdanken sie dem bösartigen Archibald Snatcher, der nach unumschränkter Macht strebt. Erst mit dem Kampf gegen ihn können die putzigen Wesen ihren Ruf retten - und dazu eine große Freundschaft.

Das kleine Animationsstudio Laika in Portland im US-Bundesstaat Oregon erhielt bereits für die anspruchsvollen Animationsabenteuer "Coraline" (2009) und "ParaNorman" (2012) enormen Publikumszuspruch und viele Preise. In beiden Fällen gab es sogar Oscar-Nominierungen. Das Studio verbindet die alte Stop-Motion-Tricktechnik mit modernsten 3D-Effekten. Dazu werden Puppen von Hand in detailverliebten Kulissen Filmbild für Filmbild bewegt und fotografiert. Perfektioniert wird das Ergebnis mit neuester Computertechnik.

Aber nicht allein die visuelle Brillanz begeistert. Auch die erzählte Geschichte ist von mitreißender Intensität. Die unterdrückten Wesen aus der Kanalisation sind die treuesten Gefährten des elfjährigen Waisenjungen Eggs. Als dessen Adoptivvater Fish von den Trolljägern im Dienste Archibald Snatchers entführt wird, helfen die Boxtrolls. Denn so wie sie selbst als nicht gesellschaftsfähig angesehen werden, wird es auch der arme Eggs.

Für Eggs ist das prekär, weil sein Herz für Winnie, die Tochter des Bürgermeisters, schlägt. Damit führt auch die Liebe der vorurteilsfreien Kinder zum offenen Kampf gegen Snatcher. Der nämlich wird nicht müde, alles Fremde und Unangepasste zu verdammen. Der Schurke tut das, um die unumschränkte Macht zu erlangen. Gelingt ihm das, haben die Boxtrolls und Leute wie Eggs und Winnie nichts mehr zu melden.

Die Erzählung überrascht mit verrückten Einfällen, begeistert dazu mit Witz und Charme. Dabei wirkt die gefühlvolle Geschichte von Winnie und Eggs nie aufgesetzt. Sie trägt die Botschaft von der Unmenschlichkeit jeglicher Unterdrückung und Verfolgung von Minderheiten aufs Schönste. Erwachsene Zuschauer dürfte insbesondere die Figur des durchtriebenen Snatcher ansprechen. Er wirkt wie die Inkarnation vieler übler Agitatoren der Zeitgeschichte.

Die politischen und philosophischen Bezüge erdrücken die Geschichte von der Rebellion der Verfluchten nicht.

(RP)